Mutige Tat im Gallus

Mit dem Ascher: Frankfurterin verjagt brutalen Räuber

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Mit ihrem Mut hat Snjezana Zarko einen Räuber aus ihrem Laden vertrieben. Dabei hatte der Täter der Frau zweimal auf den Kopf geschlagen. Durch die zurückgehende Schwellung ist ihr linkes Auge blau unterlaufen.
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Frankfurt – Mit dieser Frau legt man sich besser nicht an: Snjezana Zarko hat mutig einen Räuber in die Flucht geschlagen. Und das, obwohl der Täter eine Waffe auf sie richtete und ihr zweimal mit dem Revolver auf den Kopf geschlagen hatte. Von Dirk Beutel

Da hat sich der Räuber definitiv die falsche Frau ausgesucht. Es ist kurz nach Feierabend. Friseurladen-Inhaberin Snjezana Zarko verabschiedet gerade den letzten Kunden des Tages, will die abgeschnittenen Haare auf dem Fußboden zusammenfegen, den Laden in der Sodener Straße von innen abschließen und die Tageseinnahmen abrechnen. Doch dazu kommt es an diesem Donnerstag nicht. Kurz vor 18.30 Uhr betritt ein Mann ihr Geschäft. Eine schwarze Baskenmütze hat er tief ins Gesicht gezogen, ein schwarzer, abgenutzter Schal bedeckt Mund und Nase. „Geld“, sagt er in ruhigem Tonfall. Mehr nicht. „Erst habe ich ihn gar nicht verstanden und habe nachgefragt, ob ich ihm helfen kann“, sagt die 45-Jährige.

„Ich habe direkt in den Lauf der Waffe gesehen“

Dann tritt der Mann ganz nah an sie heran und hält ihr einen schwarzen Revolver vor das Gesicht. „Ich habe direkt in den Lauf der Waffe gesehen“, sagt die Kroatin. Doch die bedrohte Frau will kein Opfer sein, will sich nicht dem Willen des Räubers beugen. Stattdessen versucht sie, blitzartig eine Rasierklinge zu greifen. Doch da knallt der Mann ihr den Griff seines Revolvers auf den Kopf. Zweimal. So heftig, dass Zarko ihre Brille verliert. „Der Schlag war enorm. Ich habe Sternchen gesehen und konnte ohne Brille kaum noch etwas sehen“, sagt Zarko. Doch die mutige Frau lässt sich davon nicht unterkriegen und greift sich einen runden massiven Aschenbecher, der im Laden als Geldschale benutzt wird und holt aus.

Kommentar von EXTRA TIPP-Redakteur Christian Reinartz

Mit so einer resoluten Frau hat der Räuber wohl nicht gerechnet. Der Mann ist verunsichert und flüchtet. Zarko: „In dem Moment ist der Kerl mit schnellen Schritten aus dem Laden raus. Ich bin ihm hinterher und habe um Hilfe geschrien. Es kamen sofort Menschen aus der Nachbarschaft zu mir, doch der Täter war verschwunden“, sagt die immer noch angeschlagene Friseur-Chefin, die sich im Nachhinein über sich selbst ärgert: „Er hätte mich erschießen können. Es ging um Leben oder Sterben. Und das Leben ist nicht zu ersetzen, Geld schon. Aber mich hat einfach die Wut gepackt“, sagt Zarko.

Präventionsrat: Sie hat instinktiv gehandelt

Klaus-Dieter Strittmatter ist Leiter der Geschäftsstelle des Frankfurter Präventionsrates und ehemaliger Polizist. Er hat den Fall aus dem Gallus mitbekommen: „Wie die Dame gehandelt hat, ist sicher kein probates Mittel. Sie hat instinktiv gehandelt, trotz des hohen Risikos. Schließlich war der Täter bewaffnet und stand selbst auch unter Stress.“ Der Präventionsrat empfiehlt zwar, in einer bedrohlichen Situation nicht in die Opferrolle zu verfallen. „Ideal ist es, einer brenzligen Situation aber auszuweichen, zu flüchten und auf sich aufmerksam zu machen, damit andere helfen können“, sagt Strittmatter. Empfehlungen, mit denen Snjezana Zarko nichts hätte anfangen können. Dennoch ist sie dank ihres Mutes mit dem Schrecken davon gekommen. „Man muss sich selber helfen. Ich habe mir alles aus eigener Kraft erarbeitet. Ich bin eine Kämpferin, schon immer gewesen.“ Und vielleicht hat ihr Mut eine kleine Serie beendet. Denn wie die Polizei vermutet, handelte es sich um denselben Täter, der den Friseursalon am 18. November in der Frankfurter Europa-Allee überfallen hat. Dort war er jedoch erfolgreich und erbeutete mehrere hundert Euro.

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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