Friedliche Weltbesetzung beendet

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Ein Stein liegt in einem Flüchtlingslager in der Dünenlandschaft der Sahara bei Dhakla/Algerien.

Frankfurt – Ein Stein liegt am Frankfurter Gesundheitsamt, ein anderer auf Samoa im Pazifik, einer in der Antarktis und ein anderer schwebt im Weltall. Seit acht Jahren verteilt Künstler Volker Steinbacher mit Hilfe vieler Reisender seine mit Augen bemalten Steine auf der ganzen Welt. Jetzt hat er sein globales Kunstwerk vollendet. Von Mareike Palmy

Andreas Buhl (links), Überwinterer auf der Neumayerstation in der Antarktis, legte am 3. Dezember 2005 einen Augen-Stein von Volker Steinbacher bei den Koordinaten 70° 39' S, 08° 15' W ab.

In allen Staaten der Erde liegt nun mindestens ein Stein. Sie liegen an Meeren, Brücken und Bäumen, Denkmälern, an Orten menschlichen Terrors, ökologischer Katastrophen und an Kriegsschauplätzen. Aber auch an Urlaubsstränden, in Restaurants und im heimischen Wohnzimmer.

„Es war eine Menge Arbeit, die Steine auf ihre Reise zu bringen“, erklärt Steinbacher, der die Idee bei einer Wanderung hatte. Der spontane Einfall entwickelte sich mit der Zeit zum Kunstprojekt. Der Gedanke, der dahinter steckt: „Wie kann man die Welt mit friedlichen Mitteln, ohne Geld, besetzen?“, formuliert der 53-jährige Frankfurter seine Intention. Steinbachs Lösung: So genannt Augen-Steine sollen in die ganze Welt ausschwärmen, schauen und berichten. Sie sollen berichten von der Vielfalt der menschlichen Kultur, den großen und kleinen Dingen des Lebens, den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von den Verbrechen und Untaten der menschlichen Geschichte.

Selbst problematische Länder wurden erreicht

Den ersten Stein legte er selbst an einer Autobahn in Usbekistan ab. Es folgten Moskau und das Grab von Franz Kafka in Prag. Seit dem 16. März 2003 nahmen auch andere Menschen die kleinen Steine mit auf große Reise. Anfangs waren es Freunde des Künstlers, im Laufe der Zeit konnte Steinbacher auch Touristen, Stewardessen, Geschäftsreisende, Künstler, Ethnologen, Forscher und Entwicklungshelfer für seine globale Aktion gewinnen.

Volker Steinbacher mit einem Augen-Stein.

Sogar dem Astronauten Thomas Reiter hat Volker Steinbacher einen Augen-Stein mit auf den Weg gegeben. 2006 flog dieser mit dem Spaceshuttle Discovery auf die Internationale Weltraumstation ISS und blickt seitdem auf die Erde herab.

Ein Auge blickt auf Sarajevo, eines auf das zerbombte Bagdad, eines bewacht Loch Ness, ein anderes die Schiffsglocke der Bounty auf der Südseeinsel Pitcairn. „Selbst Problem-Länder wie Somalia, Nordkorea oder Afghanistan sind mittlerweile erreicht“, sagt Steinbacher mit Stolz in der Stimme. Auch vollkommen entlegene Ziele, wie die Küste des Aralsees oder die Phosphatinsel Nauru sind jetzt Punkte auf seiner Augen-Stein-Weltkarte.

Für Geologen ist das Projekt ein einziger Albtraum

Einen anderen Stein nahm Astronaut Thomas Reiter mit auf seinem Flug zur Internationalen Weltraumstation ISS.

„Für Geologen, bin ich allerdings ein Alptraum“, sagt Steinbacher schmunzelnd, „schließlich sind die Steine aus dem südfranzösischen Bergdorf Mirabel. Jetzt liegen auf der ganzen Welt Felsbrocken, die da aus geologischer Sicht nicht hingehören.“

Insgesamt liegen 450 Steine in 194 Staaten der Erde. Der letzte hat im Dezember auch Äquatorialguinea erreicht. Obwohl das Projekt damit abgeschlossen ist, hat Volker Steinbacher noch Wünsche offen: „In Rio de Janeiro fehlt noch ein Stein, außerdem noch einer auf den Osterinseln“, so der Maler und Druckgrafiker. Auch wer das Franz-Josef-Land oder die Mc Donalds-Inseln bereisen sollte, kann sich bei Steinbacher melden. Besuchen kann man das Projekt im Internet unter http://www.wegdersteine.de.

 

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