Mehr Frauen als Chef?

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Die Chefin sagt, wo‘s langgeht: Frauen sind in der freien Wirtschaft immer noch selten in Führungspositionen.

Region Rhein-Main  – Seit ein paar Tagen flammt die Diskussion um die Frauenquote in der freien Wirtschaft erneut auf. Ob die Quote notwendig und sinnvoll ist, hat der EXTRA TIPP bei Wirtschaftsverbänden und einer Frauenbeauftragten in Erfahrung gebracht. Von Andreas Einbock

Bei der Industrie- und Handelskammer Offenbach (IHK) spielt man die Notwendigkeit einer möglichen Quote herunter. „Wir beschäftigen uns nicht mit einer eventuellen Einführung solcher Vorgaben“, sagt Pressesprecher Klaus Linke .Generell sei man aber gegen die Quote, weil dadurch nicht zwangsläufig passende Leistungsträgerinnen gefördert werden würden.

Ob überhaupt Handlungsbedarf bestehe, kann trotz freiwilliger Selbstverpflichtung der Unternehmen gar nicht genau gesagt werden. Denn Beschäftigungszahlen von Frauen in der freien Wirtschaft liegen den regionalen Wirtschaftsverbänden weder bei der Offenbacher IHK noch bei der IHK Darmstadt vor. So kann auch Darmstadts IHK-Pressesprecher Thomas Klein für den Landkreis Darmstadt-Dieburg keine Zahlen für Frauen in den Firmen liefern.

Kanzlerindrohung ist Ablenkungsmanöver der Politik

Im eigenen Haus liege die Frauenquote immerhin bei 70 Prozent, sagt Darmstadts IHK-Geschäftsführer Uwe Vetterlein, der die Androhung von Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein Ablenkungsmanöver hält. „Die Politik merkt, dass sie ihre Wünsche bei der Familienbetreuung nicht umsetzen kann und gewaltige Finanzprobleme bekommt. Jetzt, wo‘s brennt, wird nach einem Ventil gesucht“, so Vetterlein. Zudem brauche es eher eine breitere Basis von weiblichen Führungskräften. Vetterlein: „Doch die bekommt man nur durch bessere Kinderbetreuung und bessere Ausbildungsangebote.“

Wo es bereits jetzt schon besser gemacht wird, zeigt ein Blick in die öffentliche Verwaltung. So ist sich Brigitte Hartwig, Frauenbeauftragte vom Landkreis Darmstadt-Dieburg, sicher, „dass die öffentliche Verwaltung Vorbild für die Privatwirtschaft sein könnte.“ In den Führungsebenen des Kreises liege die Quote immerhin bei etwa 30 Prozent. Doch das Ziel liege bei 50 Prozent. Dazu schreibt das Hessische Gleichberechtigungsgesetz vor, bei gleicher Qualifikation neue Stellen zur Hälfte mit Frauen zu besetzen.

Telearbeit als flexibles Erfolgsmodell

„Durch den Frauenförderplan verbessert sich die Situation von Frauen immer mehr. Zum Beispiel haben wir vor drei Jahren die Telearbeit eingeführt“, sagt Hartwig. Das Angebot werde von elf Frauen, aber auch von vier Männern genutzt. Im Prinzip gehe es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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