Entschädigung für Eigentümer beendet

Nach Fraport-Programm: Wird Flörsheim zur Geisterstadt?

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Viele Häuser und Wohnungen sind nach dem Verkauf an die Fraport in Flörsheim nicht leer geblieben.
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Flörsheim – Hunderte Flörsheimer haben ihre Häuser an die Fraport verkauft. Zugezogene stellen die Stadt vor riesige Probleme, erklärt Bürgermeister Michael Antenbrink. Von Angelika Pöppel 

Wegen des Baus der dritten Landebahn Nordwest hat die Fraport mit dem „Casa 2“- Programm Flörsheimer Immobilien-Besitzer unterstützt und Häuser und Wohnungen abgekauft.

245 Häuser und Wohnungen haben Flörsheimer in den vergangenen Jahren an die Fraport verkauft und die meisten von ihnen haben sich ein neues Zuhause gesucht. Mehr als 100 Millionen Euro hat die Fraport insgesamt an die Eigentümer gezahlt – als Entschädigung für den Fluglärm. Zurück bleiben leere Häuser und Wohnungen und die Frage: Wer will noch in Flörsheim leben?

„Junge Familien mit vielen Kindern und auch Menschen mit Migrationshintergrund ziehen jetzt verstärkt nach Flörsheim“, sagt Bürgermeister Michael Antenbrink. Für ihn eine positive Entwicklung: „Kulturelle Vielfalt macht eine Stadt nur bunter.“ Insgesamt sei die Bevölkerung durch den Wegzug und Hinzug jünger geworden. Das lege natürlich auch an den niedrigen Immobilienpreisen. Das Flörsheim einer Geisterstadt gleichen könnte, befürchtet Antenbrink nicht: „Mittlerweile sind fast alle Häuser und Wohnungen wieder vermietet und die Bevölkerungszahl sogar zwischen ein und zwei Prozent in diesem Jahr angestiegen.“

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Die neue Bevölkerungsstruktur stellt die Stadt aber auch vor Herausforderungen. Die Zugezogenen müssen für das Vereinsleben begeistert werden, damit auch sie sich in der neuen Heimat engagieren, sagt Antenbrink. Außerdem muss die Stadt einerseits sparen, aber auch in die Attraktivität investieren. Antenbrink: „Angebote für Familien, speziell Kinderbetreuung, Kultur und Infrastruktur müssen ausgebaut werden – das kostet alles Geld.“

Einfach die Steuern erhöhen, könne die Stadt auch nicht, sagt Antenbrink. Denn der Fluglärm der dritten Landebahn Nordwest bleibt. „Wir müssen es schaffen, die Menschen, die in die Rhein-Main-Region ziehen wollen, davon zu überzeugen, dass Flörsheim trotz Fluglärm attraktiv ist“, sagt der Bürgermeister. Und deshalb müsse die Stadt immer ein wenig besser sein als andere. Ohne Geld ein schwieriges Unterfangen.

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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