Frankfurts schaurige Seiten:  Leichen, Blut und Folter

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Die Berger Warte: Hier starben rund 40 Verurteilte qualvoll am Galgen.

Frankfurt – Leichen hängen an einem Seil an der Galluswarte. Menschenköpfe, aufgespießt auf Pfählen stehen in der Stadt. Dieser Anblick war alltäglich für Frankfurter im Mittelalter. Heute weiß kaum einer, welche grausamen Szenarien sich in der Mainmetropole abspielten. Von Angelika Pöppel

„Die Leichen blieben so lange am Galgen hängen, bis sie sich aufgelöst hatten“, sagt Stadtführer Matthias Zwermann. Er führt Besucher und echte Frankfurter zu den unheimlichsten Orten der Stadt. Vier verschiedene Grusel-Touren bietet die Morticus Stadtführung an (http://www.morticus.info). Die Leichen hingen bis zu drei Jahren am Strick. Die Menschen wurden Augenzeugen der Verwesung. An der Galluswarte und der Berger Warte baumelten unzählige Verurteilte am Galgen. Im Mittelalter galt es als Gnade, enthauptet statt erhängt zu werden. Die Köpfe der Verurteilten wurden auf Holzpfähle aufgespießt und zur Abschreckung an den Stadttoren aufgestellt. Eines darunter war das Eschenheimer Tor.

Folter auf dem Rossmarkt

Die letzten Grabstätten an der St. Peterskirche.

Räuber, Ehebrecher und Mörder folterte man qualvoll auf dem Rossmarkt in Frankfurt. Um ein Geständnis zu erzwingen, wurden Knochen gebrochen, Köpfe unter Wasser gehalten, und Körperteile verstümmelt. Auf dem Rossmarkt fanden regelrechte Horror-Hinrichtungen statt. Auch das so genannte Rädern: Auf den Verurteilten schlugen die Menschen so lange mit einem Rad ein, bis alle Knochen in seinem Körper gebrochen waren. Dann spannte man den Körper über ein Wagenrad und fuhr damit über den Platz, erklärt Zwermann.

Hunderte Frankfurter laufen täglich über alte Gräber in der Stephanstraße. Nur ein paar Schritte vom Eschenheimer Tor entfernt befand sich der alte Friedhof vor der St. Peterskirche. Wegen Platzmangels lagen hier bis zu zwölf Schichten Tote übereinander. Im Hof der Kirche sind noch alte Grabstätten zu sehen. Ein Teil des Friedhofs wurde später mit der Stephansstraße überbaut, sagt Zwermann.

Das Pestloch und Hexerei

Wo heute Menschen im Park der Friedberger Anlage spazieren gehen, versenkte man Pestkranke im heutigen Bethmann-Weiher. Das so genannte Pestloch. 20.000 Menschen starben in Frankfurt an der Pest.

Solche Katastrophen blieben für die Bevölkerung unerklärlich. Gegenseitig beschuldigte man sich der Hexerei. Der Hexenverfolgung fielen viele Frauen zum Opfer. Um die Angeklagten auf die Probe zu stellen, warfen die Vollstrecker sie in den Main. Wer unterging war unschuldig. Angebliche Hexen verharrten in den Türmen der alten Brücke, eingesperrt bis zum Prozess.

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