Frankfurts Bier-König trinkt keinen Alkohol

Frankfurt – Frankfurts größter Bierfan ist Türke und trinkt kein Bier. Zumindest keines mit Alkohol. Nazim Alemdar führt im Bahnhofsviertel einen Kiosk mit über 200 Sorten aus aller Welt. Kunden von ihm nehmen selbst lange Anreisen in Kauf, um an den seltenen Gerstensaft zu kommen. Von Christian Reinartz

Nazim Alemdar trinkt keinen Alkohol. Aus religiösen Gründen. Trotzdem hortet der türkischstämmige Geschäftsmann aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel in den drei mannshohen Glas-Kühlschränken seines Kiosks über 200 Biersorten aus aller Welt. Alemdar gilt als echter Spezialist in Sachen Gerstensaft, der sein Faible für Bier ausschließlich mit Alkoholfreiem auslebt.

Verantwortlich für seine Bier-Begeisterung ist die Geschichte. Die Geschichte seiner Heimat Anatolien. „Hier haben die Hethiter vor tausenden Jahren zum ersten Mal Bier gebraut“, sagt er stolz: „Deshalb war dieses Getränk für mich schon immer etwas Besonderes.“

Irgendwann habe er dann angefangen, Bier zu kaufen. Überall. Im Urlaub, auf Geschäftsreisen, bei Heimatbesuchen. Immer sechs Flaschen, denn viele Kästen passen nicht in seinen kleinen Kiosk an der Münchner Straße.

Bier mit echter Chili-Schote

„Dann haben Bekannte und Freunde angefangen, mir Bier mitzubringen“, sagt Alemdar. Zusammengekommen ist mittlerweile ein Bierangebot, dass zumindest imRhein-Main-Gebiet seinesgleichen suchen dürfte. Über 200 Biersorten hat Nazim Alemdar in seiner Inventarliste verzeichnet. Darunter Seltenheiten wie afrikanisches Windhoek-Lager oder sein teuerstes, das mexikanische Chili-Bier für 3,90 Euro. Allerdings auch mit einer echten Chilischote in der Flasche.

Nazim hat sie einfach alle. Kaum eines, das er nicht besorgen könnte. „Ich habe mittlerweile ein gutes Netzwerk an Lieferanten“, sagt Alemdar: „Wenn einer eine bestimmte Marke sucht, dann versuche ich, sie auch zu besorgen.“ Das gehört bei ihm zum Service.

Nur ein Bier hat er bisher nicht finden können. Davon träumt Alemdar manchmal. Es ist ein besonderer Trunk aus seiner Heimat. „Ich würde hier gerne türkisches Tekel-Bier verkaufen“, sagt Alemdar: „Aber da muss ich wohl noch ein bisschen weitersuchen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare