Frankfurterin beim „Baltic Sea Circle“

Rallye: Mit 20 Jahre altem Auto durch elf Länder

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Natascha Schmitt fährt derzeit noch mit ihrem Rallyewagen durch Frankfurt.

Frankfurt  – 15 Tage, 8.000 Kilometer, elf Länder – und das in einem über 20 Jahre alten Auto, ohne Navigationsgerät, ohne GPS. Was für manche nach einem motorisierten Alptraum klingt, ist für Natascha Schmitt das nächste große Abenteuer: Die Rallye „Baltic Sea Circle“.

Am kommenden Samstag, 14. Juni, startet die gebürtige Frankfurterin zusammen mit Freundin Tina Hindemith bei der Rallye „Baltic Sea Circle“ für den guten Zweck. Einmal rund um die Ostsee wird sie ihr Weg führen. Von Hamburg aus bis hoch ans norwegische Nordkap. Soviel ist sicher. Mehr nicht. „Wir wissen nicht, wie wir die Wasserpassagen überwinden werden, ebenso wenig, ob wir im oder gegen den Uhrzeigersinn die Ostsee umrunden müssen“, sagt Natascha Schmitt. Die Organisatoren lassen ihre Teilnehmer bis zum Start im Ungewissen. Erst dann gibt es das „Roadbook“. Neben Anweisungen enthält es auch Rätsel und Aufgaben. Für deren Lösung wird es am Ende Punkte geben, Schnelligkeit ist bei der Rallye nicht alles. Für Schmitt sowieso nicht. „Mir geht es um das Abenteuer und um das Erlebnis“, sagt sie. „An solche Erfahrungen erinnert man sich sein ganzes Leben, das ist viel mehr wert.“

Autobahnen, Navi und GPS sind tabu

Die Vorgaben sind zunächst simpel. Wer an den Start gehen will, braucht ein Fahrzeug, das älter ist als 20 Jahre. Für ihr Team „Die Motorbienen“ haben sich Schmitt und Hindemith extra einen 24 Jahre alten VW Passat Kombi im Internet ersteigert. Privat besitzt Natascha Schmitt gar kein Fahrzeug. „In Frankfurt kommt man auch so überall hin“, sagt die 46-Jährige. Während der Rallye sind nicht nur Navigationsgeräte und GPS tabu, auch Autobahnen dürfen nicht genutzt werden. Da helfen nur Faltkarten. Schlafen wollen die Motorbienen möglichst oft im Auto, eine Matratze im hinteren Fahrzeugteil wird ihr Lager sein. Das Gepäck ist überschaubar: Kleidung, ein Kocher, viel Kaffee, Lebensmittel, eine Kamera, ein Werkzeugköfferchen, etwas Öl und ein Spray, das gegen platte Reifen hilft. Freundin Tina ist KFZ-Meisterin und damit „ein wahrer Segen, wenn die alte Kiste mal streiken sollte.“ Die Motorbienen sind ein eingespieltes Team. Zusammen haben sie 2011 schon auf der „Rallye Allgäu-O-rient“ knatternden Auspuffen und korrupten syrischen Grenzbeamten getrotzt. Und im vergangenen Jahr auf der „Rallye München-Barcelona“ den Autotüren, die plötzlich klemmten und die Frauen zum umdenken zwangen. Wer an Rallys teilnimmt, muss eben offen für alles sein, ist sich Schmitt sicher. Planen ließe sich da wenig. Wichtig seien gültige Visa und gute Karten, der Rest füge sich. Dementsprechend entspannt sieht sie den Anforderungen der aktuellen Rallye entgegen. In den Vorjahren mussten die Teilnehmer auf ihrer Reise beispielsweise mit Hochzeitspaaren posieren und möglichst viele Tiere in ihr Auto bekommen. Als Beweismittel dienen Fotos, Schummeln verbiete der eigene „Ehrenkodex“.

Ziel: Spenden sammeln

Insgesamt 134 Teams werden am Samstag an den Start gehen. Und jedes von ihnen muss als wichtigste aller Aufgaben Spenden sammeln. Mindestens 750 Euro. Die Hälfte davon fließt einem vorgegebenen, gemeinnützigen Zweck zu, die andere an von den jeweiligen Teams ausgewählte Einrichtungen. Die Motorbienen haben sich für die Arche in Griesheim entschieden, die sich um Kinder kümmert und sie fördert. Für ihre Spendenak-tion haben Schmitt und Hindemith die Internetseite www.visionbakery.com/Rallye eingerichtet. Auf einer Motorbienen-Facebookseite wollen sie derweil live über ihr Abenteuer berichten. Wenn das Internet mitspielt. Bei einer Rallye weiß man ja nie so genau.

 

skk

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