Kulturszene reagiert verärgert

Frankfurter Volkstheater vor dem Aus: Ist die Mundart in Gefahr?

+
Wurde 2008 im Volkstheater aufgeführt: „Traatsch im Trebbehaus“ mit Margit Sponheimer, Anette Krämer und Frank Lehmann (von links).

Frankfurt – Steht Frankfurt bald ohne Volkstheater da? Die „Fliegende Volksbühne“ ist dem Rotstift zum Opfer gefallen. Dazu kommt, dass Liesel Christs Volkstheater abgerissen wird. Ist dadurch die Frankfurter Mundart in Gefahr? Die Kulturszene reagiert unterschiedlich. Von Dirk Beutel

Bald fällt der letzte Vorhang. Über 40 Jahre Theaterleben gehen zu Ende. Am 31. Mai gehen für das Frankfurter Volkstheater endgültig die Lichter aus. Dann kommt die Abrissbirne, denn an Stelle des maroden Baus sollen Wohnungen entstehen. Ein schwerer Schlag für die Mundart-Szene. Zumal die „Fliegende Volksbühne“ von Michael Quast wahrscheinlich auch kein eigenes Theater bekommen wird.

„Man hat das Gefühl, dass Mundart als Kulturgut von der Stadt wie ein Stiefkind behandelt und nicht ernst genommen wird“, sagt Schauspielerin und Volkstheater-Urgestein Anette Krämer. Zumal der Dialekt seinen Platz in der Stadt brauche. „Durch die Mundart kann man sich anders ausdrücken. Die Bilder sind stärker. Emotionaler“, sagt Krämer.

Mundart wird es immer geben

Lesen Sie auch:

Neuanfang für das Frankfurter Volkstheater

Bodo Bach liest uff Hessisch

Reiner Wagner bringt Künstler auf seine eigene Bühne in Dietzenbach

Aber nur weil die Volksbühne schließe, gefährde das noch lange nicht die Mundart: „Natürlich ist es schade um die Institution, aber ich bin doch auch noch da“, sagt Travestie- und Mundartkünstler Bäppi La Belle. „Mundart wird´s immer geben und Menschen, die sie gerne sprechen oder hören.“ Der Meinung ist auch der Volkskundler und Mundartfreund Gerd Grein: „Nein, die Mundart stirbt nicht aus. Sie verändert sich, so dass mittlerweile viele dieses Sonntagshessisch schwätzen. Das Ur-Hessische ist sowieso längst passé“

Doch bei aller Gelassenheit unter den meisten der Künstler reagiert plötzlich auch die Politik: „Frankfurt braucht auch künftig ein Volkstheater. Die Frankfurter Mundart muss einen festen Platz in unserer Stadt behalten, das Genre Volkstheater braucht eine feste Spielstätte“, sagt die kulturpolitische Sprecherin der SPD Fraktion Renate Wolter-Brandecker.

„Würden jetzt statt des Theaters Wohnungen am Paradiesplatz gebaut, wäre diese Chance für das Traditionsviertel verspielt. Alt-Sachsenhausen braucht das Theater und Frankfurt braucht Micheal Quast“, sagt die planungspolitische Sprecherin der Liberalen, Elke Tafel-Stein.

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare