Ratgeber

Sie erklären Krankheiten in Kindersprache

+
Katrin Bunk (links) und Simone Linden vom Verein mehr Zeit für Kinder vor ihrem Regal mit den Ratgebern. 

Frankfurt – Mein Papa und meine Mama wissen alles! Davon sind die meisten Kinder überzeugt. Schließlich erklären Eltern ihren Kindern die Welt. Wenn aber eine schwere Krankheit die Familie trifft, fehlen oft die Worte. Dabei wollen die Kinder wissen, was passiert ist. Von Christian Reinartz

Der Frankfurter Verein „ Mehr Zeit für Kinder “ gibt deswegen Bücher heraus, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Eltern keine Worte mehr finden für das, was gerade passiert. “.

Die Titel der kleinen, fast quadratischen Bücher sagen eigentlich alles: „Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze?“, „Warum legt Oma ihre Brille in den Kühlschrank? oder „Warum fahren Papas Gefühle Achterbahn?“

Das alles sind Fragen, die sich Kinder stellen, wenn in der Familie plötzlich eine schwere Krankheit auftritt. „Dann wissen viele Eltern nicht, wie sie ihren Kindern das erklären sollen“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins „Mehr Zeit für Kinder“, Simone Linden.

Kinder malen sich Situation viel schlimmer aus

Warum viele Eltern mit ihren Kindern nicht über solche Dinge sprechen, weiß Thomas Dreisörner. Er ist Psychologe an der Uni Frankfurt und Leiter der Beratungsstelle Mainkind. „Es ist völlig normal, dass Erwachsene Schwierigkeiten haben, über solch einschneidende Dinge zu sprechen. Mit Kindern ist das aber besonders schwer.“ Denn diese würden, anders als erwachsene Gesprächpartner, viel mehr Fragen stellen und nachbohren. Davor hätten viele Eltern Angst und sagten lieber gar nichts. Oft auch, um die Kinder zu schonen.

„Aber das ist genau das Falsche“, sagt Dreisörner. „Denn wenn man den Kindern nicht aufrichtig die Wahrheit sagt, dann malen sie sich die Situation häufig viel schlimmer und beängstigender aus, als sie in Wirklichkeit ist.“

Der Verein sucht Sponsoren

Lesen Sie auch:

Frankfurter Mutter hilft Flüchtlingskindern

Frankfurter Geschäftsmann gründet Verein für Kinder

Die Bücher hält Dreisörner deshalb für ein wichtiges Instrument für sprachlose Eltern. „Das ist eine gute Möglichkeit, Kindern solche schwierigen Themen zu erklären. Das hilft dann auch, selbst damit klarzukommen.“

Simone Linden will deshalb nicht aufhören solche Ratgeber zu veröffentlichen. „Ich habe noch mindestens 15 Themen auf der Liste, die ich am liebsten alle sofort umsetzen würde.“ Doch dafür braucht der Verein Sponsoren. „Das könnten etwas Pharmafirmen oder Krankenkassen sein, die die Bücher dann an Ärzte oder Kunden verschenken“, sagt Linden.

Die Bücher sind aber auch über den Verein direkt auf www.mzfk.netzu beziehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare