Krebsstudie

Magenkrebs: Überleben ist möglich

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In einer Studie konnten die Überlebensraten von bestimmten Menschen mit Magen- oder Speiseröhrenkrebs entscheidend verbessert werden.

Frankfurt – Diagnose Magen- oder Speiseröhrenkrebs. Beide Versionen galten als unheilbar. Jetzt zeigt eine neue Studie, dass eine Kombination aus Chemotherapie und Operation Heilung versprechen kann. Von Dirk Beutel

Er kommt schleichend, heimtückisch auf leisen Sohlen. Menschen mit Magen- oder Speiseröhrenkrebs merken am Anfang nichts ungewöhnliches. Weder Schmerzen noch Unbehagen. So ging es auch Jürgen Kempel. „Ich hatte auf einmal Schluckbeschwerden. Da habe ich mir aber nichts dabei gedacht, weil ich mich ansonsten gut gefühlt habe.“ Eine Magenspiegelung brachte die grausame Gewissheit: Magenkrebs, der bereits gestreut und Lymphknoten befallen hat.

Ein ähnliches Schicksal ist Bruno Hellmund widerfahren. Allerdings brachte ihn besonders schmerzhaftes Sodbrennen zu seinem Hausarzt: „Ich hatte das Gefühl, dass mir Flammen aus dem Hals schießen.“ Sein Glück, dass sein Arzt die Situation richtig einschätzt und ihn ins Krankenhaus Nordwest schickt. Auch er bekommt die Diagnose Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Beide wären normalerweise als unheilbar eingestuft worden. Doch dank eines neues Therapieansatzes sind sie am Leben. Zwar mit einigen Einschränkungen, aber dafür völlig krebsfrei und gelten als geheilt. Bei Hellmund wurde der gesamte Magen entfernt, bei Krempel etwa die Hälfte.

Durchbruch für die Mediziner

Info:Etwa 22.000 Fälle von Magen- oder Speiseröhrenkrebs treten jährlich in Deutschland auf. Rund 220 Patienten werden im Frankfurter Krankenhaus Nordwest behandelt, so viele wie sonst nirgends in Deutschland.

Hintergrund ist eine Studie von Salah-Eddin Al-Batran, Ärztlicher Direktor des Instituts für klinisch-onkologische Forschung am Nordwest Krankenhaus. Es wurde untersucht, ob eine Kombination aus einer Chemotherapie nach dem FLOT-Schema, das an der Frankfurter Klinik entwickelt und heute deutschlandweit als Standarttherapie gilt, mit einer anschließenden Magen- oder Speiseröhrenentfernung bestimmten Patienten hilft, länger zu leben, vielleicht sogar sie zu heilen. Voraussetzung für den Erfolg ist das Stadium der Metastasen. Deshalb kommt auch nur eine bestimmte Gruppe von Betroffenen für diesen Behandlungsansatz infrage. Von 252 Patienten konnte bei 62 Prozent operiert werden. Bei den Betroffenen, die nach einer Chemotherapie operiert wurden, betrug die mittlere Überlebenszeit 31,3 Monate. Für die Mediziner ein echter Durchbruch, wenn man bedenkt, dass diese Fälle vorher als unheilbar galten.

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„Magen- oder Speiseröhrenkrebs ist eine der gefährlichsten und bösartigsten Krebsarten die es überhaupt gibt“, sagt Thomas W. Kraus, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, viszeral- und Minimal Invasive Chirurgie am Krankenhaus Nordwest: „Die Chirurgie und die Onkologie haben alles getan, um diesen Betroffenen zu helfen. Aber wir sind an einer Grenze, über die man nicht hinwegkommt. Mit dieser Studie lösen wir jetzt keine Revolution aus, verschieben aber die Grenze zum Besseren.“ So wie bei Jürgen Kempel und Bruno Hellmund. „Außer dass ich nicht mehr so ruhig schlafen kann, ist alles genauso wie früher. Ich kann nicht mehr so viel essen wie früher, muss darauf achten, dass ich über den Tag verteilt viele kleine Portionen zu mir nehme. Aber dafür kann ich wenigstens essen was ich will“, sagt Kempel und lächelt.

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