Nur Nachteile für die Frankfurter Ruderer

Ruderverein gegen den Wohnturm-Bau auf der Maininsel

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Auf dem heutigen Bootsplatz des Rudervereins auf der Frankfurter Maininsel soll ein Wohnturm entstehen.

Frankfurt – Auf der idyllischen Maininsel in Frankfurt an der Alten Brücke soll ein Wohnturm mit vier Eigentumswohnungen, einem Restaurant und einem Museum entstehen. Seit Wochen regt sich Widerstand. Auch der ansässige Ruderverein stellt klar: „Wir wollen den Wohnturm nicht!“. Von Angelika Pöppel

Der Frankfurter Ruderverein gab sich zu dem Bau eines 30 Meter hohen Wohnturms auf der Frankfurter Maininsel bisher diplomatisch. Doch damit ist jetzt Schluss. Seit 145 Jahren ist der Ruderverein 1865 auf der Insel ansässig. Bereits seit zehn Jahren gibt es Pläne für die Bebauung der grünen Maininsel an der Alten Brücke. Doch was anfangs der Allgemeinheit nutzen sollte, ist nun zu einem Projekt verkommen, das Eigentumswohnungen schaffen will. Und die Ruderer hätten nur Nachteile.

Ruderer bekommen nicht mehr Fläche

Laut Architekt Christoph Mäckler schaffe der neue Wohnturm dem ansässigen Ruderverein mehr Fläche. Doch Vorsitzender Klaus Rohmer stellt klar: „Das stimmt einfach nicht!“ Die neuen Pläne sehen vor, dass das bestehende Bootslager im Untergeschoss des Vereinshauses vergrößert wird. Die Ruderer würden dann das Untergeschoss des Wohnturms mitnutzen. Doch der Vorsitzende weiß: „Der Plan zeigt, dass wir die Boote gar nicht mehr rausbekommen würden.“ Pfeiler und Wände wären im Weg, um die bis zu 40.000 Euro teuren und 18 Meter langen Boote unbeschädigt hinauszutragen. Nicht alle Boote könnten dadurch verstaut werden. Dafür soll ein kleines Lager gebaut werden – für den Verein kein Gewinn an Fläche, sondern nur eine Verlagerung.

Die geplante Bebauung der Maininsel in Bildern

Die Pläne für den Wohnturm auf der Frankfurter Maininsel in Bildern

Ohne Licht: Vereinsheim würde zugebaut

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Die beiden Untergeschosse des Vereins und des Wohnturms wären nach den neuen Plänen miteinander verbunden. Die restlichen Stockwerke des Wohnturms nur sieben Meter vom Vereinsheim entfernt, dass sich im Brückenpfeiler der Alten Brücke befindet. „Da würde gar kein Licht mehr hineinkommen“, sagt Rohmer.

Der Pachtvertrag des Vereins endet erst in 30 Jahren. Doch Anspruch auf das Grundstück direkt vor dem Vereinshaus, wo sich jetzt der Bootsplatz befindet, haben sie nicht. Und genau dort soll der Wohnturm entstehen – der Bootsplatz muss weichen. Eine neue Anlegestelle soll hinter dem Wohnturm entstehen, doch ein Einstieg ins Wasser ist an dieser Stelle kaum möglich, weil die Fahrrinne sehr schmal ist. Auf der anderen Uferseite ist der Einstieg wegen der Schiffe zu gefährlich. Und alle Bäume müssten weichen.

20 Eisenpfähle müssten in den Boden gebohrt werden

Vorsitzender des Rudervereins  Klaus Rohmer.

Vor über 30 Jahren verpflichtete sich der Magistrat, die Insel – eine ehemalige Sandbank – wie ein Naturschutzgebiet zu behandeln. Bisher war dies der Fall. Einziges Gebäude ist der Portikus – eine kostenlos zugängliche Kunst-Ausstellungshalle. Im Keller befindet sich ein weiteres Bootslager für die rund 40 Boote. Der Portikus konnte problemlos hochgezogen werden, weil das Fundament bereits vor dem Krieg bestand. Anders beim Wohnturm: Mindestens 20 Eisenpfähle, müssten für den Bau bis zu 15 Meter tief in die Insel gebohrt und mit Beton aufgefüllt werden. „Keiner weiß, ob das überhaupt ausreicht“, sagt Rohmer. Der Vorsitzende ist um Schadensbegrenzung bemüht, aber: „Wir sind glücklich, wenn gar nicht gebaut wird.“

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