150 Jahre alte Traditionsstätte in Gefahr

Renn-Klub kämpft um seine Bahn in Niederrad

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Der Frankfurter Renn-Klub will sich nicht von der Niederräder Galopprennbahn vertreiben lassen.

Frankfurt – Der Frankfurter Renn-Klub kämpft verbissen um seine Bahn in Niederrad. Obwohl sich die Stadt und der Deutsche Fußball-Bund schon einig sind, leistet der Verein weiter erbitterten Widerstand und wendet sich jetzt auch an die Bürger. Von Dirk Beutel 

Der Frankfurter Renn-Klub kämpft unerbittlich um seine traditionsreiche Bahn in Frankfurt-Niederrad. Dabei ist formal schon alles klar. Zumindest für die Stadt. Der Mietvertrag für die Rennbahn endet 2015. Dann rückt der Deutsche Fußball-Bund an, der dort bis 2018 für rund 60 Millionen Euro ein Leistungszentrum bauen will. Der hat bereits einen Erbbauvertrag mit einer Laufzeit von 99 Jahren für das Gelände unterschrieben. Der Erbbauzins für das 15 Hektar große Areal in Niederrad plus die Erweiterungsoption von fünf Hektar an der Frankfurter Kennedyallee betrage 6,835 Millionen Euro.

Der Renn-Klub akzeptiert das aber nicht. Er setzt auf eine Ko-Existenz mit dem DFB: „Wir arbeiteten momentan an einer Gegenvorstellung zum aktuellen Bebauungsplan“, sagt Renn-Klub-Präsident Manfred Louven: „So einfach lassen wir eine 150 Jahre alte Tradition nicht sterben.“ Auch juristische Schritte will sich der Präsident vorbehalten: „Dass wir klagen, ist eine Option.“ Schließlich gehe es nicht nur um Hessens einzige Galopp-Rennbahn, sondern auch um die Existenzen von Trainern und Angestellten. Aktuell sammeln die Vereinsmitglieder Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Dafür müssen 13.000 Stimmen bis zum 11. Dezember bei der Stadt eingereicht werden.

Vorwürfe an die Stadt

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Dort gibt man sich trotz des Widerstandes gelassen. Das von ihr beauftragte Architekturbüro Albert Speer sehe nämlich keine Möglichkeit, Rennbetrieb, den Golfsport, der auf dem Gelände ebenfalls angeboten wird, und das Leistungszentrum unter einen Hut zu bringen. Die Stadt gibt sich dennoch bereit für den Dialog: „Wenn der Klub einen ernst zu nehmenden Vorschlag macht, werden wir ihn prüfen“, sagt der Frankfurter Sportreferent Gerwin Fassing. Vorwürfe, die Stadt oder der DFB hätten sich nicht an einen Tisch gesetzt, weist Fassing zurück: „Wir haben immer das Gespräch gesucht.“

Ebenso dass dem DFB Sonderrechte bei der Bebauung hinsichtlich des Landschafts- und Wasserschutzgebietes auf dem über 30 Hektar großen Gelände eingeräumt werden würden, winkt Fassing ab. Aber: Der Renn-Klub ließ bisher die Rennbahn für die Öffentlichkeit zugänglich. Vize-Präsidentin Christiane Weil-Daßbach befürchtet, dass der DFB sich abschotten und einen Sichtschutz bauen wird. „Das ist ein Armutszeugnis für die angebliche Sportstadt Frankfurt."

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