Mit Meditation

Frankfurter entwickelt Therapie gegen Depression

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Wie hinter einem Schleier der Traurigkeit leben chronisch Depressive. Diesen gilt es wegzuwischen.

Region Rhein-Main – Gegen chronische Depressionen sind Psychologen bisher machtlos. Jetzt sollen ausgerechnet einfache Meditationsübungen Linderung ganz ohne Nebenwirkungen bringen. Ein Versuch startet nun an der Uni Frankfurt. Von Christian Reinartz

Professor Ulrich Stangier

Das seelische Loch, in das chronisch Depressive fallen, ist manchmal so tief, dass nicht ein Schimmer Licht zu ihnen durchdringt. Die sprichwörtliche Dunkelheit umgibt alles. Ist ein Patient erst in diesem Stadium angekommen, können selbst die besten Psychologen und Psychiater nur wenig tun, um ihm beim Herausklettern zu helfen. „Nach wie vor gibt es wenige Studien, die sich damit beschäftigt haben, welche Therapie diesen Menschen helfen kann“, sagt Professor Ulrich Stangier. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Frankfurt und weiß um die emotionale Belastung, die die Patienten in ihrer Depression erleben. „Wer dauerhaft unter Depression leidet, empfindet sehr oft eine intensive Hoffnungslosigkeit“, erklärt Stangier. „Sie ist Folge des permanenten Grübelns, und der Vorstellung, nie mehr aus dem Tief herauszukommen.“

Entwicklung eines neuen Therapieansatzes

Er will nun mit einem Forscherteam einen neuartigen Therapieansatz an Erkrankten testen: Meditation.

„Im Grübeln und den Gefühlen von Hoffnungslosigkeit liegt der Ansatzpunkt für die Therapie. Wir gehen davon aus, dass sich der Zustand der Betroffenen durch meditative Übungen verbessern lässt“, sagt Stangier. „Alle Formen der Meditation fördern die Distanzierung von diesen Gedanken“. Im aktuellen Experiment haben er und sein Team sich für die Achtsamkeits-Meditation entschieden, da diese besonders gut geeignet erscheint, Grübeln zu unterbrechen und die Stimmungstiefs hinter sich zu lassen. Bis zu 30 chronisch Depressive haben dabei die Möglichkeit zu lernen, wie sie so meditieren, dass ihre Krankheit gelindert wird.

Meditationstherapie auf dem Prüfstand

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Aber welchen Vorteil hat die Meditationstherapie? Stangier erklärt: „Erstens gibt es keine Nebenwirkungen und zweitens können die Menschen das Erlernte auch selbst im Alltag weiterführen und so eigenständig die Depression überwinden.“ Erste Studienergebnisse aus Deutschland und den USA geben laut Stangier Hinweise dafür, dass Teilnehmer von dem Meditationsprogramm profitieren. „Aber eine gründliche wissenschaftliche Prüfung steht noch aus.“ Die Erfahrungen aus vorangegangenen Gruppen stimmen optimistisch, meint Stangier. „Aber dafür muss man bereit sein, täglich zu üben, auch wenn es noch so schwer fällt. Nur wer diesen Einsatz zeigt, kann auf Dauer lernen, depressive Stimmungen selbst zu beeinflussen.“

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