Frankfurter Milchbauern suchen einen Nachfolger

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Beim Internationalen Tag der Milch am Dienstag, 1. Juni, steht das Produkt der Kühe von Sigrid und Willi Vetter im Mittelpunkt.

Frankfurt – Es gibt immer weniger Milch von Frankfurter Kühen – weil es immer weniger von ihnen gibt. Zu den letzten verbliebenen Milchbauern in der Frankfurter Gemarkung gehören Sigrid und Willi Vetter. Und sie suchen einen Nachfolger für ihren Hof am Gisisberg bei Bergen-Enkheim. Von Norman Körtge

„Wo findet man denn schon so viele zufriedene Mitarbeiter?“, fragt Sigrid Vetter, lacht und läuft durch den Kuhstall. Rund 50 Schwarzbunte Holsteiner stehen dort und mampfen genügsam ihr Futter.

Zwischen 9000 und 10.000 Liter Milch gibt jede von ihnen jedes Jahr. Die Molkerei zahlt pro Liter einen Grundpreis von 25 bis 26 Cent. „Der Preis hat sich ein wenig erholt“, sagt Sigrid Vetter. Der existenzbedrohende Tiefstand von 20 Cent vor gut einem Jahr ist überstanden. Aber mit dem jetzigen Stand lassen sich gerade so die laufenden Kosten decken. „Wir wollen ja nicht reich werden, aber es muss ja auch Geld zum investieren da sein, wie in jedem Wirtschaftsbetrieb“, meint Willi Vetter: „35 Cent wären fair.“

Discounter drücken die Milchpreise

Doch die Discounter diktieren den Molkereien die Preise, damit sie in den Kühlregalen möglichst billig die Milch anbieten können. „Zehn Cent mehr pro Liter würde doch keinem weh tun“, meinen die Vetters. Doch die Einkaufsmentalität beweist das Gegenteil: Für Lebensmittel geben die Deutschen laut Statistiken immer weniger Geld aus.

Um so mehr gilt es die Menschen zu sensibilisieren. „Viele kennen doch Landwirtschaft nur noch vom Urlaub im Allgäu“, sagt Sigrid Vetter. Deshalb führt sie regelmäßig Schulklassen über den Hof. Das seien die Verbraucher von morgen.

Noch fünf Jahre leiten die Vetters den Betrieb

Die Zukunft ihres Milchbetriebes steht hingegen in den Sternen. Noch etwa fünf Jahre wollen sie Frankfurter Milch produzieren. Ein potenzieller Nachfolger ist im vergangenen Jahr abgesprungen, bedauern die Vetters. Er hatte eine Frau kennen gelernt. Und das passte offensichtlich nicht in die weitere Lebensplanung. Denn: Kühe kennen kein Wochenende und keinen Urlaub. Eine Sieben-Tage-Woche ist für Milchbauern normal. Die Hoffnung einen Nachfolger zu finden haben sie aber noch nicht aufgegeben. Eine der wichtigsten Voraussetzungen nennt Sigrid Vetter: „Man muss Spaß daran haben.“

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