Familie, Geld und Glaube sind weg

Friedrich Wagner aus Frankfurt hat alles verloren

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Wagner wollte der Inhaber dieser Gaststätte werden, heute steht er vor dem nichts.

Frankfurt - Er hat nichts mehr: Geld, Familie und der Glauben an das Gute im Menschen sind weg. Der 57-jährige Friedrich Wagner träumte von der eigenen Gaststätte. Doch dann wurde ihm alles genommen. Von Dana Moser

Im Jahr 1989 tobt die Rumänische Revolution. Friedrich Wagner beschließt nach Deutschland zu fliehen. Noch heute erinnert er sich an die Worte seiner Vorbilder: „Kinder seid froh, wenn ihr nach Deutschland kommt. Deutschland ist die ehrlichste Nation, die es auf dieser Welt gibt!“ 1989 kommt Wagner in Deutschland an. Nicht einmal vier Wochen später hat er schon einen Job in einer Frankfurter Bar gefunden. Er startet durch, wird Leiter einer Hotelbar und liest im Oktober 1993 eine Anzeige: Es geht um den Verkauf einer Gaststätte in der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen. „Hätte ich einfach die Finger davon gelassen!“ Wenn er heute daran denkt, kommen dem 57-Jährigen die Tränen.

Er träumt von der eigenen Kneipe

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Eine eigene Gaststätte – dieses Angebot will sich Wagner nicht entgehen lassen. „Eine halbe Million damals noch Mark wollte der Verkäufer von mir. Mein Wunsch nach einer eigenen Gaststätte war so groß, dass ich bereit war die Unsumme zu bezahlen.“ 200.000 Mark hatte er mit seiner Frau gespart, 300.000 Mark bekam er von der Bank. „Bei der Kreditvergabe hatte ich schon ein komisches Gefühl. Aber ich dachte ja, dass Deutschland die ehrlichste Nation der Welt ist.“ Am 1. Februar 1994 eröffnet Wagners Gaststätte. „Unser Konzept ist bombenmäßig eingeschlagen! In zwei Jahren hatte ich 210.000 Mark von meinem Kredit zurückgezahlt.“ Zwei Jahre läuft alles gut, dann steht plötzlich das Ordnungsamt vor der Tür.

Der ganze Schwindel fliegt auf

Wagner hat keine offizielle Konzession, um draußen Gäste zu bewirten. „Kurz darauf bekam ich ein Schreiben von einer Brauerei. Sie wollte Miete von mir. Ich habe versucht, ihnen klar zu machen, dass ich die Gaststätte gekauft habe. Da kam das ganze Elend ans Licht.“ Wagner hat nicht die Gaststätte , sondern eine GmbH gekauft. Die Immobilie an sich gehörte einer alten Frau und die Brauerei hatte die Räume gepachtet und ausgestattet. „Ich konnte und kann es bis heute nicht glauben! Der Verkäufer hat meine Blauäugigkeit gnadenlos ausgenutzt und mich von vorne bis hinten verarscht. Ich habe Inventarlisten bekommen, wie sich der hohe Kaufpreis von 500.000 Mark zusammensetzt – alles gelogen!“ Anwaltskosten haben sein Vermögen aufgefressen. Heute lebt der 57-Jährige von 400 Euro. Wut und Schmerz sind riesig: Seine ganze Familie hat ihm wegen dieser Geschichte den Rücken zugekehrt. „Sie verstehen nicht, warum ich auf Gerechtigkeit poche und mir nicht einfach mein Geld zurückgeholt habe. Heute würde ich es auch anders machen. Ich bin nämlich eiskalt geworden.“ Heute wünscht sich Wagner, dass der Verkäufer noch geschnappt werden kann. Und einen Vergleich vor Gericht, der dem 57-Jährigen das zurück gibt, was ihm zusteht.

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