Kritik an Deutschlands Drogenpolitik

Experte fordert: Keine Strafe bei Besitz harter Drogen

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Die Autoren des alternativen Drogen- und Suchtberichts fordern Straffreiheit für den Besitz von illegalen Drogen für den Eigenbedarf.

Region Rhein-Main – Das Strafgesetz ist nicht dafür geeignet, Drogenpolitik durchzusetzen. Mehr noch: Strafverfolgung und eine autoritäre Drogenpolitik fördern sogar die Kriminalisierung bei Suchtkranken. Das sagt der erste alternative Drogen- und Suchtbericht. Von Dirk Beutel 

Zu lasch bei legalen Drogen, zu hart bei illegalen Rauschmitteln. Wer eine Cannabisplantage betreibt, wird hart bestraft, während Alkohol für kleines Geld rund um die Uhr zu bekommen ist. Dazu kommt noch, dass der Jugendschutz nicht ausreichend kontrolliert wird. So kritisiert der erste alternative Drogen- und Suchtbericht  die derzeitige Situation um Deutschlands Drogenpolitik. In dem 200 Seiten starken Beitrag fordern Wissenschaftler, die Deutsche AIDS-Hilfe sowie der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik ein Umdenken und eine Reform der Drogenpolitik.

Wesentliche Punkte: Ein vollständiges Verbot von Werbung für Alkohol und Tabak. Entkriminalisierung des Besitzes von illegalen Drogen für den Eigenbedarf und eine Regulierung des Cannabismarktes durch kontrollierte Abgabestellen und legalen Anbau zur Selbstversorgung.

Überhaupt würden eine Strafverfolgung und eine autoritäre Drogenpolitik nur die Illusion schaffen, Probleme in den Griff zu bekommen. Einer dieser Experten ist Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt: „Strafen halten höchstens die Ängstlichen und Braven ab. Der jahrzehntelange Kampf gegen Drogen zeigt: Das Strafrecht ist nicht geeignet, um Gesundheitspolitik zu betreiben.“ Allerdings stellt Werse auch klar: „Wir sind keine Gegner des Drogenberichts der Bundesregierung. Er ist eine gute Darstellung der Situation. Allerdings steht dort nichts über Veränderungen drin.“ Allerdings herrsche in der Politik große Unwissenheit hinsichtlich bestimmter Drogen, wie etwa Crystal Meth.

Entkriminalisierung von illegalen Drogen

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In Frankfurt entstünden dadurch regelrecht paradoxe Szenen: Auf dem Weg zu den Drogenräumen, die die Stadt für Suchtkranke zur Verfügung stellt, könnten diese schon wegen geringer Mengen verhaftet werden. Daher fordern die Autoren des alternativen Berichts eine Entkriminalisierung von illegalen Drogen für den Eigenbedarf. Damit mache man etwa in Portugal seit etwa zehn Jahren gute Erfahrungen. Werse: „Dadurch würde der Konsum vielleicht kurzzeitig ansteigen, weil einige es ausprobieren werden wollen. Aber auf lange Sicht gesehen, wird etwa die Zahl von regelmäßigen Cannabis-Konsumenten nicht steigen.“

Carsten Wolf, Leiter der Jugendberatung und Suchthilfe (JBS) Am Merianplatz in Frankfurt, sitzt an vorderster Front. Er verzeichnet vor allem eine steigende Nachfrage von Cannabiskonsumenten nach einer Suchtberatung. „Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass unser höchstes Gut die Anonymität ist. Außerdem macht sich auch ein Sinneswandel bemerkbar. Jugendliche suchen mittlerweile von sich aus nach Hilfe.“ Wolf selbst hält die Strafverfolgung für nicht zu lasch: „Frankfurt war immer liberal in seiner Drogenpolitik.“

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