Auch das ist Kunst

Frankfurter Eulengasse zeigt Blumen aus Damenbinden

Frankfurt - Pflanzen, Geld und Spitzenhöschen: Die Künstlerinnen Pepa Tardio Maya und Sabine Zimmermann spielen in der aktuellen Ausstellung der Eulengasse mit Widersprüchen. Viele ihrer Kunstwerke sind nicht das, was sie zu sein scheinen.

Es duftet ein bisschen, ganz leicht, frisch, nicht genau bestimmbar. Der Geruch kommt von den Blumen an der Wand links des Eingangs in die Ausstellungsräume des Vereins Eulengasse. Blumen? Es sind einmal nutzbare Damenbinden, kunstvoll zu Blumen geformt von Pepa Tardio Maya – zu sehen in einer aktuellen Ausstellung.

Weiße Blüten, einige mit zarten blauen Rändern, bedecken die Wand. Andere dieser Blumen sind erstarrt, in Ton gebrannt. Zwei weitere Gefäße findet der Besucher auch im zweiten Raum; Damenhöschen, ein schmales und ein größeres – beide aus gebranntem Ton. „Umwelt ist mir wichtig“, sagt die Künstlerin, die gerne mit den Händen arbeitet, Material verformt, verfremdet. Sie will auf Widersprüche hinweisen. Mit viel Chemie wurde das Papier für die Binden gebleicht. Reinstes Weiß für einen nichtweißen Zustand, den manche unrein nennen. Widersprüche.

Die Dessous sind verwirrend. Ihre Spitze ist spanischen Mantillas entnommen, diesen hauchdünnen Schleiertüchern, die früher Kopf und Hals verhüllten und heute noch zur spanischen Festtracht gehören. Äußeres wie eine Mantilla wird zum Spitzenhöschen, das ist jedoch in der Ausstellung nicht gewohnt leicht und weich, sondern schwer, tönern und statisch.

„Der ursprüngliche Zweck hat sich verändert. Die neuen Objekte stellen Fragen nach Normalität und Tabus, nach Freiheit und Versteck, nach Zeit und Entwicklung. Ich schreibe dem Betrachter nicht vor, was er denken soll. Aber Nachdenken soll er, das würde mich freuen“, sagt Pepa Tardio Maya.

Geldscheine mit dem eigenen Porträt

Demgegenüber hat Künstlerin Sabine Zimmermann 22 Geldscheine aus aller Welt mit Szenen aus „Justine“ des Marquis de Sade gezeichnet, sehr klein sind die Szenarien und erst auf den zweiten Blick erkennbar. Größer dagegen sind die Porträts, beliebte Motive für Geldscheine. Zimmermann hielt sich dafür an alte Stiche anonymer Meister. Oder setzte, wo ein Porträt fehlte, zuweilen ihr eigenes ein – der historischen Vorlage angepasst. So sind in aufwändiger Arbeit detailreiche kleine Werke entstanden. Sadismus und Geld? „Die Verbindung ist naheliegend, wenn man darüber nachdenkt, was Menschen alles für Geld machen“, sagt Zimmermann.

An der rechten Wand des zweiten Raumes sind auf den ersten Blick 33 Zeichnungen von Blumen zu sehen. „Eigentlich sind es fünf mal so viele Zeichnungen“, erklärt Zimmermann. Sie beobachtete Schnittblumen in ihren verschiedenen Stadien, von der Knospe bis zum Verwelken, zeichnete die Entwicklungsabschnitte und legte sie übereinander. „Diese Arbeiten sind vor zwei Jahren entstanden. Dann habe ich sie wieder zur Hand genommen und abstrakte Lineaturen entdeckt und visuelle Verbindungen entwickelt“, erzählt die Künstlerin. Zum Werk mit dem Titel „Ich war auch einmal gefasst“ gehört eine knapp fünfminütige Tonspur mit Texten der dänischen Autorin Inger Christensen und der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer, gesprochen von Henriette Cejpek.

Die Ausstellung „Elf Szenen aus dem Leben von Menschen und Blumen“ beschließt das Jahresthema „Elf“ des Kunstvereins Eulengasse, der seit 2003 besteht. Die Exposition ist bis zum 22. März in der Seckbacher Landstraße 16 zu sehen.

jf

Rubriklistenbild: © Faure

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