Oberbürgermeister startet Aufruf

Mit Frankfurter Ehrenamts-Messe gegen die Gleichgültigkeit

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Gerade Ältere profitieren von Ehrenamtlichen, die ihnen zum Beispiel vorlesen.

Frankfurt – Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, schwindet offenbar unaufhörlich. Das bekommen zahlreiche Projekte in Frankfurt zu spüren. Jetzt ruft Oberbürgermeister Peter Feldmann im EXTRA TIPP seine Frankfurter auf, sich zu engagieren. Von Christian Reinartz

Das Ehrenamt ist in der Krise. Oder doch nicht? Eines ist in jedem Fall klar: Es wird für Vereine, Gemeinden und Sozialhilfeträger immer schwieriger, genug Ehrenamtliche zu finden, die sich engagieren. Von einer echten Krise will niemand sprechen. Stattdessen beruft man sich auf eine Studie zur Zivilgesellschaft des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der Bertelsmann Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung, deren Zahlen das Ehrenamtsproblem gar nicht so groß erscheinen lassen.

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Ist es aber offenbar doch. Denn mittlerweile fliegen den Organisationen die ehrenamtlichen Helfer nicht mehr einfach so zu. Stattdessen muss aufwendig für das Ehrenamt geworben werden, um überhaupt genug Helfer zu bekommen. Bettina Büttner vom Frankfurter Bürgerinstitut kennt die Situation: „Die grundsätzliche Bereitschaft der Menschen, sich zu engagieren, hat unserer Erfahrung nach zwar nicht abgenommen.“ Die Lebensumstände hätten sich jedoch geändert. „Viele kommen zum Arbeiten nach Frankfurt und haben durch immer umfangreichere Arbeitszeiten einfach keine Zeit mehr, sich zu engagieren.“ Diesen gesellschaftlichen Wandel merke man auch im Bereich des Ehrenamts. „Das natürlich gewachsene ehrenamtliche Engagement geht immer weiter zurück.“

Oberbrügermeister Peter Feldmann ruft Frankfurter auf

Ähnlich sieht es Diakonie-Sprecher Jörn Dietze: „Sobald es um verbindliches, langfristiges Engagement geht, wie etwa bei der Telefonseelsorge, wird es zunehmend schwieriger, Leute zu finden. Für einzelne punktuelle Projekte finden wir aber nach wie vor relativ einfach Menschen, die sich engagieren.“ Auch bei der Caritas kennt man die Scheu vor der Verbindlichkeit. Dort heißt es: „Nach solchen langfristigen Engagements wird fast gar nicht gefragt.“ Das hat man auch im Rathaus erkannt und versucht, mit einer Ehrenamtsmesse am kommenden Samstag, die Frankfurter für das Ehrenamt zu begeistern. Oberbürgermeister Peter Feldmann: „Es ist das ehrenamtliche Engagement, das unser Gemeinwesen trägt.“ Viele hätten miterlebt, dass in den vergangenen Wochen mit der „Ice Bucket Challenge“ viel Aufmerksamkeit für die Nervenkrankheit ALS erzielt werden konnte. „Das hat wieder einmal gezeigt, dass sich in Frankfurt jederzeit Tausende von Menschen hinter eine gute Idee stellen wollen“, sagt Feldmann. Er fordert alle Frankfurter auf: „Solche guten Ideen, für die sich persönlicher Einsatz wirklich lohnt, gibt es zahlreich auch in unserer Stadt. Mit Ihrer Hände Arbeit und Ihren privaten Spenden können Sie einen gewaltigen Teil dazu beitragen, dass unser Gemeinwesen funktioniert. Engagieren Sie sich!“

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