Frankfurter Druide fordert: „Akzeptiert uns endlich als Religion!“

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Ober-Druide Volkert Volkmann beim Harfespiel

Region Rhein-Main – Sie beten Donner und Blitz an, verehren Bäume und streifen mit Sicheln durch die Wälder: In Großbritannien ist das Druidentum vergangene Woche zur Religion erklärt worden. Jetzt fordert der oberste deutsche Druide aus Frankfurt dasselbe für Deutschland. Von Christian Reinartz

Ärzte, Rechtsanwälte, Banker – Es glauben mehr Menschen aus der Region an das Druidentum als man denkt. Davon ist der ranghöchste Druide Deutschlands, Volkert Volkmann, überzeugt. Er ist Chef des Frankfurter Vereins Yggdrasil-Kreis und Oberhaupt der keltischen Glaubensbewegung. Viele der Mitglieder kommen aus dem Kreis Offenbach und Dieburg, versichert er. Gemeinsam beten sie die Naturkräfte an. „Aber viele trauen sich nicht, das öffentlich zuzugeben“, erklärt er. Stattdessen schleichen sie heimlich in die Wälder rund um Frankfurt und beten etwa den Hirschgott Cernunnos, Herr über die Tiere und den Wald, an. An die 500 Anhänger gebe es in der Rhein-Main-Region, sagt Volkmann. „Alles wäre nicht so schlimm, wenn wir nicht immer wieder mit gesellschaftlichen Anfeindungen zu kämpfen hätten“, erklärt der gelernte Naturheilpraktiker. Er selbst weiß, wovon er spricht: „Mir haben sie sogar schon die Radmuttern losgedreht. Nur weil ich an etwas anderes glaube. Das war wie eine moderne Hexenjagd.“

Von Heimlichkeit die Nase voll

Harfe spielen, tanzen , beten – Die Druiden feiern ihre Feste mit viel Musik.

Unterkriegenlassen hat sich der 53-Jährige davon nicht. Jede Woche trifft er sich mit seinen Glaubensgenossen im Taunus. In einer Hütte haben sich die Naturreligiösen ihr Hauptquartier – es heißt Nemeton – eingerichtet. Alles in dem Kultraum hat eine spirituelle Bedeutung. Neben bunt bemalten Rundschilden, hängen Hirsch und Bockgeweihe an den Wänden, in der Ecke liegt eine Hirschmaske, eine riesige hölzerne Nachbildung des Keltenkönigs vom Glauberg steht neben der massiven Holzbank auf der die Druiden bei den Zusammentreffen Platz nehmen. Es riecht nach Räucherstäbchen. Volkmann: „Hier sitzen wir nach unseren rituellen Treffen zusammen und essen gemeinsam und unterhalten uns.“ Die Druiden-Religion kann nämlich nur unter freiem Himmel ausgeübt werden. „Das ist die Voraussetzung, um zu den Göttern der Natur zu beten.“
Von Heimlichkeit haben die Naturgläubigen jetzt die Nase voll. „Wir wollen als offizielle Religion in Deutschland anerkannt werden“, fordert Volkert Volkmann: „Ich weiß, dass dieser Weg beschwerlich ist. Aber unsere Religion gibt es schon viel länger als alle anderen. Akzeptiert uns endlich!“

Weitere Infos zu der druidischen Gemeinschaft und ihrem Glauben gibt‘s unter (06085) 710 oder im Internet unter www.keltia.de.

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