Die Rosa Paten in Frankfurt helfen

Viele schwule Senioren vereinsamen im Alter

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Viele schwule Senio ren führen ein zurückgezogenes Leben in Einsamkeit.

Frankfurt – Abgeschrieben, einsam und ohne gesellschaftlichen Kontakt - so geht es vielen schwulen Senioren. Weil sie keine Familie gegründet haben, verbringen sie ihren Lebensabend oft zurückgezogen und allein. Die Rosa Paten geben schwulen Senioren wieder Lebensfreude. Von Fabienne Seibel

„Wenn man schwul und über 40 ist, ist man in der Szene nicht mehr angesagt. Da geht alles sehr oberflächlich zu. Da Schwule zusätzlich keine eigene Familie gründen, sind sie im Alter ganz besonders von Einsamkeit betroffen“, sagt Helmuth Ehrenberg. Schwule Senioren haben es laut ihm im Alter demnach besonders schwer. „Die ältere Generation der Homosexuellen lebt wegen ihrer früheren Diskriminierungserfahrungen heute teilweise sehr zurückgezogen. Wir bilden da eine Nische und sind unbefangen“, sagt Ehrenberg.

Kommunikatives Freizeitangebot

Im August 2006 gründete der Flugbegleiter die „Rosa Paten“, ein Team von Freiwilligen, die schwulen Senioren Gesellschaft leisten. Mit einem kommunikativen Freizeitangebot wie gemeinsamen Spaziergängen, Kinobesuchen oder guten Gesprächen geben die Paten den homosexuellen Rentnern ein Stück Lebensqualität.

Schwule im Seniorenalter sind eine verborgene Bevölkerungsgruppe, die nicht in die Schwulen-Szene zwischen Partys und selbstbewusstem Auftreten passt. Für jüngere schwule Männer ist es Ehrenberg zufolge in der heutigen Zeit leichter als für alte Homosexuelle. „Heute gibt es eine ganz andere Schwulen-Generation als zum Beispiel in den 50ern. Schwule Senioren kennen den heutigen selbstbewussten Umgang mit der Homosexualität aus ihren jüngeren Jahren überhaupt nicht. Manche haben versucht, angepasst zu leben oder wurden diskriminiert“, so der 37-Jährige.

Freundschaftliche Verbundenheit

Wenn sich ein älterer Homosexueller bei den Rosa Paten meldet, erfolgt zunächst ein Kennenlern-Gespräch. Im Anschluss wird dann ein Pate für den Senior ausgewählt und die beiden treffen sich in regelmäßigen Abständen. „Man ist sich freundschaftlich verbunden, lernt sich kennen und schätzen und es entsteht ein Vertrauensverhältnis. Die Chemie muss stimmen und in der Regel passt das immer gut“, sagt Ehrenberg. Das Schwul-Sein ist dabei ein Bindeglied zwischen den Männern und den jüngeren rosa Paten.

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Jeder der derzeit zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter ist männlich und homosexuell. „Das ermöglicht einen Austausch unter Gleichgesinnten“, so Ehrenberg. Alle von ihnen nehmen an regelmäßigen Schulungen teil und haben eine Ausbildung zum Pflegebegleiter absolviert.

„Das Projekt ist zu einer Herzenssache geworden. Ich habe so großen Spaß daran, dass ich das noch sehr lange machen werde. Hoffentlich finden noch ganze viele Senioren und Ehrenamtler den Weg zu uns“, so Ehrenberg. Wer Interesse an der Unterstützung durch einen Paten hat oder sich für schwule Senioren engagieren will, kann sich beim Leiter des Projekts, Norbert Dräger unter S (069) 13387930 melden.

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