Frankfurter Architektin

Sie bestimmt den Look der hippsten Szeneclubs

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Architektin Judith Kirchmair hat sich auf Bars und Clubs spezialisiert. Hier präsentiert sie stolz die Cocktailbar Kiezpraline der Inhaber Folker Zillich (Mitte) und Serkan Yüksel.

Frankfurt – Die einen entwerfen Bürogebäude, die anderen Wohnungen – eine ganz besondere Architektin ist die Frankfurterin Judith Kirchmair: Sie designt Clubs und Bars und trifft damit den Nerv des Partyvolks. Von Christian Reinartz 

Raue Betonoptik trifft im Gewölbekeller auf Designerlampen und Objektmöbel.

Wenn im Rhein-Main-Gebiet ein neuer Club aufmacht, kann es gut sein, dass Judith Kirchmair ihre Finger im Spiel hat. Denn die 30-Jährige ist Clubdesignerin und kreiert, wie der Name schon sagt, den ganz individuellen Look einer Bar oder einer angesagten Clubs. Ihr jüngstes Projekt: Die Kiezpraline im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Nicht zuletzt wegen Kirchmairs Design, gilt die exklusive Cocktail-Bar mittlerweile als absoluter Geheimtipp der Szene, sind sich die Clubbetreiber Folker Zillich  und Serkan Yüksel  einig. In den Kellerräumen hat Kirchmair blanke Betonoptik mit klaren Einbau-Sitzbänken in Lederoptik und hohen Rückenlehnen kombiniert. An der Wand hängen einige wenige Schwarz-Weiß-Aufnahmen in dunklen Rahmen, verspielte Designerleuchten tauchen die Bar in ein einzigartiges Lichtgemisch aus lila und rot. Alles wirkt wie aus einem Guss.

„Als wir uns entschieden haben, die Bar aufzumachen, war klar, dass wir einen Profi brauchen, um hier das richtige Ambiente zu schaffen“, sagt Yüksel.

Auf ihr Konto geht auch das Bitteschön Apartement

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Auf das Design-Konto von Kirchmair geht auch das ehemalige Bitteschön Apartement, ein exklusiver Club mit Jahresbeitrag, an der Hanauer Landstraße. Für Kirchmair sind solche Aufträge mehr als nur ein Job. Zwar könne sie auch ganz normale Wohnungen bauen oder Villen sanieren. „Aber solche Bars zu designen, ist meine besondere Leidenschaft.“ Ihr Geheimnis: Sie besucht in jeder Stadt, in der sie ist, auch im Ausland, so viele Clubs und Bars wie möglich. „Da bekomme ich jede Menge Eindrücke und sehe vieles, was mich inspiriert. Das baue ich dann wieder in meine Entwürfe ein“, erklärt die Frankfurterin ihre Arbeitsweise.

Im Fall der Kiezpraline hat das offenbar bestens funktioniert. Sogar die Sitzmöbel als auch die Bar hat Kirchmair entworfen und vom Schreiner anfertigen lassen. „Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Betreibern und den Handwerkern“, erklärt Kirchmair. „Erst erarbeite ich ein Konzept nach den Wünschen des Auftraggebers, dann geht’s ans umbauen und einrichten.“

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Heraus kommt am Ende eine Location, die immer einzigartig ist und nichts mit dem Design von der Stange von vielen modernen Clubs zu tun habe. Zwar sei ihr Job nicht immer klassische Architektenarbeit. „Aber spätestens bei Wanddurchbrüchen bin ich ich wieder in meinem ursprünglichen Metier.“

Bisher hat Judith Kirchmair solche Aufträge neben ihrer Festanstellung übernommen. Jetzt hat sie sich mit einem eigenen Büro selbstständig gemacht, um sich mehr auf das Club-Design konzentrieren zu können.

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