Kathrin Fricke ist planlos und erfolgreich

Youtube-Star Coldmirror erhält Sondermann-Förderpreis

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Mit ihren Nach-Synchronisationen von Harry-Potter-Filmen ist sie bekannt geworden: Kathrin Fricke, besser bekannt als Coldmirror, hat unter ihren Fans längst Kultstatus erreicht.

Region Rhein-Main – Ihre Neugier und ihr Humor haben ihr das Leben gerettet, ihre Harry-Potter-Parodien machten sie berühmt: Jetzt wird Youtube-Star Kathrin Fricke, alias Coldmirror, mit dem Frankfurter Sondermann-Förderpreis geehrt. Von Dirk Beutel

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So etwas wie einen Lebensplan hatte sie nie. Sie ist weder karrieregeil noch perfekt durchgestylt. Sie ist einfach sie selbst. Ungeschminkt, ehrlich. Und genau diese Einstellung hat Kathrin Fricke dorthin gebracht, wo sie jetzt ist. Ihre Videos werden millionenfach geklickt, unter Youtube-Nutzern ist Fricke, besser bekannt als Coldmirror, mit ihrem rotzigen Humor längst Kult. Sie war eine der ersten Youtube-Größen in Deutschland überhaupt. Seit etwa zehn Jahren betreibt sie einen eigenen Kanal auf der Videoplattform im Internet und tobt sich dort nach Herzenslust aus. Ihr Material setzt sich aus allem zusammen, was ihr in die Hände fällt. Sie synchronisiert Barack Obama, Captain Kirk oder sie kreiert eigene Animationsfilme wie in ihrer Star Star Space Reihe.

Jetzt wird die gebürtige Bremerin für ihre Clipkunst mit dem mit 2000 Euro dotierten Sondermann-Förderpreis für komische Kunst in der Frankfurter Brotfabrik geehrt, den im vergangenen Jahr der Satiriker Jan Böhmermann erhielt. „Als ich davon erfuhr, war ich schon baff. Ich frage mich immer noch, wie man da ausgerechnet auf mich gekommen ist“, sagt die studierte Kunstwissenschaftlerin.

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Bekannt wurde sie durch ihre Nach-Synchronisationen von Harry-Potter-Filmen. Man hört ihr den Spaß förmlich an, den sie am Mikrofon genießt. Und dafür ist die 33-Jährige dankbar. Denn Fricke weiß, wie es ist, in einem Loch zu stecken. Weil ihre Schwester bei einem Autounfall ums Leben kam und sich ihre Eltern trennten, wurde sie depressiv. Wie sie selbst heute sagt, war sie nah dran, sich das Leben zu nehmen. Ihr einziger Anker waren die Harry-Potter-Bücher. „Zu dieser Zeit hatte ich keinen Sinn in meinem Leben gesehen. Das einzige, was mir wirklich Halt gegeben hatte, war die Frage, wie es mit Harry Potter weitergeht“, sagt Fricke. Diese Neugier und ihr Humor haben ihr das Leben gerettet. Ein Leben, das sie heute in vollen Zügen genießt. Sie macht ihr Ding. Für sich. Und im Idealfall fühlen sich andere davon unterhalten: „Ich habe das nie gemacht, um bekannt zu werden. Das war ein schöner Nebeneffekt. Für mich war nur wichtig, dass ich meine Kreativität ausleben kann, ohne mich verbiegen zu müssen“, sagt Fricke.

Damit ist sie glücklich. Darauf kommt es ihr an. Nicht etwa auf das Geld, das sie mit ihren Videos auf Youtube verdienen könnte. Denn dagegen hat sie sich bewusst entschieden: „Ich wollte mich nie von Youtube abhängig machen. Deshalb verdiene ich damit auch keinen Cent. Außerdem hätte ich immer regelmäßig etwas abliefern müssen.“ Das ist so gar nicht ihr Ding. Ihr Geld verdient sie mit ihrer Videokunst mittlerweile beim öffentlichen rechtlichen Hörfunk. Sogar eine kleine Fernsehsendung einmal im Monat auf Einsfestival hatte sie mal. Doch weil Fricke eine Ein-Frau-Show ist, ohne Mitarbeiter, war ihr der Aufwand irgendwann zu viel. „Auch wenn ich für meine Projekte mittlerweile einen Zeitplan habe, gefallen mir Deadlines so gar nicht“, sagt Fricke. „Ich bin keine Business-Person. Da habe ich keinen Bock drauf. Genauso wenig, wie im Netz um Likes oder Daumen hoch zu betteln.“ Das wäre auch nicht der beliebte Coldmirror-Stil.

Denn während andere Youtuber großen Wert auf ihre äußere Erscheinung legen, spielt das bei Kathrin Fricke kaum eine Rolle. So wie sie in ihren Videos zu sehen ist, so ist auch die analoge Fricke. „Das bin immer ich, wenn auch nur ein kleiner Teil. Mit dem Unterschied, dass ich in meinen Videos wesentlich lustiger bin, als im echten Leben“, sagt sie.

Was genau ihr Erfolgsrezept ist, weiß sie selbst nicht genau. „Möglicherweise liegt es daran, dass ich mich mit Dingen beschäftige, von denen ich selbst Fan bin.“ Und das will sie auch in Zukunft machen, so lange es ihr Spaß macht. Denn dann haben auch andere ihren Spaß. Vielleicht auch Menschen, denen es ähnlich geht, wie ihr damals. Lachen statt Suizid. Eine prima Medizin. Fricke: „Es ist nicht wichtig, viele Zuschauer oder Follower zu haben. Das einzige was zählt, dass man Lust auf die Sache und aufs Leben hat.“

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