Stadtteilserie

Bornheimer Streetworker gibt Sprayern eine Chance

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Bornheimer Streetworker kennt jede Ecke im Stadteil.
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Frankfurt – Stefan Mohr kennt jede Ecke in Bornheim und die Jugend kennt ihn. Der Streetworker geht ungewöhnliche Wege und gibt Jugendlichen Raum, um ihre Straßenkunst zu leben. Von Angelika Pöppel

Es ist dreckig, die Fassade mit Graffiti besprüht, die großen Fabrikfenster verstaubt. „Die Atmosphäre in der Naxoshalle ist einmalig und lässt die Ideen sprühen“, sagt Streetworker Stefan Mohr. Denn die riesige Halle in Bornheim biete genug Platz um sich kreativ auszuleben. Aus der alten Lagerhalle machte der ehemalige Drogenberater einen Treffpunkt für Jugendliche. In das Offene Atelier kommen Kinder und Jugendliche aus den verschiedensten Familienverhältnissen. Hier können die Jugendlichen „abhängen“. Aber auch die Kunst soll nicht zu kurz kommen. Denn „die handwerkliche Arbeit an einem Projekt schweißt zusammen und vermittelt den jungen Menschen ein Erfolgserlebnis.“

Erst Skaterpark, dann Graffiti-Halle

Stefan Mohr holt die Straßenkunst von Jugendlichen in die Naxoshalle in Bornheim.

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In der Halle hat alles mit einem städtischen Projekt für arbeitslose Jugendliche angefangen. Doch das Projekt lief aus. Da die Bornheimer Jugend keinen Platz zum Skaten und Fahrrad fahren hatte, organisierte der Streetworker zusammen mit den BMX-Fahrern eine riesige Rampe und machte die Halle zu einem Skaterpark. „Ich hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit das bedeutet, aber es hat geklappt“, sagt der Jugendarbeiter. Nach den BMXern kamen die Graffiti-Künstler auf den 43-Jährigen zu. Seitdem bringen Sprayer ihre Kunst auf Leinwände – eine völlig neue Erfahrung für sie. Auch die Stadt wurde auf die Arbeit von Mohr aufmerksam – die kommunale Kinder- Jugend- und Familienhilfe unterstützt seitdem das Projekt.

Stefan Mohr organisierte Künstler aus Frankfurt, die den Kreativen unter die Arme greifen. Aber auch die Jugendlichen bringen selbst viele Ideen ein: Ob Graffiti oder Klebeband-Kunst – die Ideen kommen direkt von der Straße. In der ungezwungenen Atmosphäre fühlen sie sich wohl und kommen auch vorbei, um sich auszutauschen. Der Bornheimer Streetworker versteht die Probleme der Jugend: „Ich bin selbst nicht gerne in die Schule gegangen.“

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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