Udo Heitzmann untersucht dreckiges Wasser

Menschliche Schicksale bei der Abwasser-Recherche

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Udo Heitzmann beschäftigt sich als Stadtteilhistoriker mit der Geschichte der Abwasseruntersuchung.

Frankfurt - Dreckiges Wasser zieht sich durch Udo Heitzmanns Leben wie ein roter Faden. Erst als Chemotechniker, jetzt als Stadtteilhistoriker. Von Norman Körtge

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Ein Untersuchungsbericht des Mainwassers aus dem Jahre 1930 – für die meisten Menschen ist das ein Dokument, das sie nach dem Lesen des Titels wahrscheinlich nicht weiter interessiert. Nicht für Udo Heitzmann. Denn der 64-jährige Praunheimer ist gelernter Chemotechniker und hat sich fast 40 Jahre lang von Berufswegen mit Abwasser beschäftigt. Genauer gesagt untersuchte er im Labor des städtischen Umweltamtes auf dem alten Betriebsgelände der Niederräder Kläranlage industrielle Abwässer auf Schwermetalle und Lösungsmittel.

All das war beruflicher Alltag. Der rund 80 Jahre alte Untersuchungsbericht weckte aber seinen wissenschaftlich-historischen Spürsinn. Gibt es Untersuchungen, die noch älter sind? Wie wurde damals untersucht? Welche Parameter und mit welchen Methoden wurde gemessen? Fragen wie diese stellte sich Heitzmann, dessen Laborarbeit sich alleine in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder verändert hat. „Es ist ein sanfter Ausstieg aus dem Beruf“, erzählt Heitzmann etwas nachdenklich, der sich bereits in Altersteilzeit befindet.

Heitzmann stößt auf menschliche Schicksale

Dankbar ist er, dass er auf das Stadtteilhistoriker-Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt stieß. „Das hat meiner Recherche einen Titel gegeben und mir geholfen mich zu fokussieren“, berichtet der Praunheimer. Und er schränkt gleich ein: „Es ist mir nur zum Teil gelungen“. Der Titel steht zwar: „Von der Abwasseruntersuchung zur Umweltanalytik“. Doch bei seiner Recherche in der Universitäts-Bibliothek und im Institut für Stadtgeschichte stieß er neben den eher nüchternen Daten, Methoden und anderen Aufzeichnungen auf menschliche Schicksale. Bei einem Bombenangriff am 5. November 1944 starben in einem als Schutzraum ausgebauten Keller der Kläranlage Niederrad 16 französische Kriegsgefangene und sogenannte Ostarbeiter. „Das hat mich berührt“, sagt Heitzmann. Seit dem versucht er auch herauszufinden, wer diese Menschen waren und warum sie auf dem Gelände der Kläranlage untergebracht wurden. Sie sollen in seine Stadtteilhistoriker-Arbeit einfließen, die er im nächsten Frühjahr abschließen möchte.

Zeitzeugen sollen sich melden

Um aber auch einmal von seiner Beschäftigung als Historiker abschalten zu können, genießt er das Gassigehen mit seinem Collie „Benny“ und Mischling „Elsa“. Sie sind auch einer der Gründe, warum Heitzmann mit seiner Frau vor vier Jahren von Bockenheim nach Praunheim gezogen ist. „Es ist eine sehr schöne Umgebung hier. Man ist schnell im Grünen“, erzählt er. Und selbst mit dem Rad sei man schnell in der Innenstadt. Allerdings gebe es auch in Praunheim alles, was er braucht. Udo Heitzmann bittet Zeitzeugen, die sich an die französischen Kriegsgefangenen oder die Zwangsarbeiter an der Kläranlage in Niederrad erinnern können oder Hinweise haben, sich bei ihm zu melden: (069) 778560.

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