Chance für Analphabeten

Lesepaten helfen Kindern beim Lesen lernen

+
Sebastian aus der Frankfurter Riedhofschule liest seiner Lesepatin Edith Ibscher die Geschichte vom schlauen Hasen vor.

Region Rhein-Main – Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ein Spruch, den jeder kennt, und hinter dem auch einiges steckt. Denn laut Professor Klaus Ring von der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt sind gut 14 Prozent der Frankfurter Analphabeten. Von Silke Gottaut

Dieses traurige Ergebnis bekommen Lesepaten zu spüren.

Lesen Sie mehr:

Zu viele befristete Verträge: Lehrer arbeitslos

Tafel adé - Whiteboards sind der Trend

„Er flocht aus Lianen ein starkes Seil“, liest Sebastian aus der Geschichte „Der schlaue Hase“ von Hans Baumann vor. Zwar fehlerfrei, aber der Drittklässler der Frankfurter Riedhofschule versteht nicht, was er liest. „Flocht kommt von flechten“, erklärt Lesepatin Edith Ibscher von den „ Frankfurter Lesepaten “. „Und eine Liane ist ein starkes Seil. Tarzan schwingte sich von Liane zu Liane.“ In dem Moment grinst Sebastian und an seinen Augen sieht man, dass er jetzt weiß, was eine Liane ist.

Eltern lesen kaum noch ihren Kindern vor

Wort für Wort, Satz für Satz und Absatz für Absatz geht Ibscher den Text mit Sebastian durch. Denn er hat größtenteils nicht verstanden, um was es in der Geschichte geht und warum der Hase schlau ist. Selbst wenn Kinder lesen können, heißt es nicht, dass sie den Inhalt verstanden haben. „Etwa 75 Prozent der Eltern lesen ihren Kindern nicht mehr regelmäßig vor. Und weniger als die Hälfte der Kinder sind noch bereit zu lesen“, so Ring von der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt. Dieses Problem ist Pädagogen bekannt. Deswegen holen sie sich Lesepaten an ihre Schulen. Diese lesen mit schwächeren Schülern zusammen. Die meisten Schüler bekommen so Freude am Lesen.

Frankfurter Lesepaten werden immer mehr

„Hessenweit gibt es mehr als 600 Lesepaten und wir kooperieren zurzeit mit 95 Schulen“, sagt Georg Kowalski, Landesvorsitzender von „Mentor – Die Leselernhelfer Hessen.“ In Frankfurt kooperieren aktuell 46 Schulen mit der Organisation der „Frankfurter Lesepaten“. Sie hat diese Woche die 200. Lesepatin begrüßt. Dass sich die Organisation, die es seit zwei Jahren gibt, lohnt, zeigt sich deutlich: Denn im Hochtaunuskreis haben nur vier Schulen Lesepaten, in Offenbach nur zwei, im Landkreis Offenbach acht und im Main-Taunus-Kreis 15 Schulen.

Warum das so ist, erklärt Babara Scior, Mitgründerin der Frankfurter Lesepaten: „Andere Städte oder Gemeinden haben weniger Lesepaten, weil es dort keine Organisation wie unsere gibt.“ Doch Lesepate kann jeder überall werden, der gerne mit Kindern arbeitet und Geduld hat, ihnen das Lesen beizubringen. Infos gibt es unter www.die- frankfurter-lesepaten.de oder unter www.mentor-hessen.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare