Frankfurt: Kriminell, teuer und laut

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Die Frankfurter Skyline am Abend.

Frankfurt – Frankfurt ist die Hauptstadt des Verbrechens, Wohnungen kosten zu viel und die Stadt macht auch noch am meisten Krach – das ergaben aktuelle Studien. Doch die Stadt Frankfurt hält dagegen: „Die Statistiken geben ein verzerrtes Bild wieder“, sagt Thomas Scheben. Von Angelika Pöppel

Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Thomas Scheben, Sprecher der Stadt Frankfurt. Die Untersuchung des Fraunhofer-Instituts besagt, dass Frankfurt nach Hannover die zweit lauteste Stadt in Deutschland ist. Doch Frankfurt könne nicht mit Städten wie Münster verglichen werden, zu denen weitläufiges Umland gehört. „Dass die Messungen in einem kleinen Dorf besser ausfallen und dann die Werte der ganzen Stadt aufbessern, ist klar“, sagt Scheben. Doch Frankfurt ist stark bebaut und nicht so weitläufig. Trotzdem gebe es auch in stadtnahen Gebieten ruhige Plätze.

Nicht nur laut, auch kriminell ist Frankfurt, wenn man sich die Kriminalstatistik 2010 anschaut. Laut Thomas Scheben verzerren zwei Hauptfaktoren die Statistik der Polizei: Der Flughafen und Korruptionen von Unternehmen, die ihren Sitz in Frankfurt haben. „Wenn ein Unternehmen wie eine Bank wegen Korruption angezeigt wird, bewegt sich die Zahl der Anzeigen im drei- bis vierstelligen Bereich“, erklärt Scheben. Das treibe die Straftaten in die Höhe, genauso wie Delikte am Flughafen wie Passfälschung oder Schmugglerware. Am Flughafen zählte die Polizei im vergangenen Jahr 4008 Straftaten von insgesamt 107.356 in Frankfurt, sagt Alexander Kiesling von der Polizei. Insgesamt wurden rund 23.000 Betrugsfälle angezeigt und 38.000 Diebstähle.

Hohe Aufklärungsquote der Polizei

Dazu kommt, dass in Frankfurt 692.000 Einwohner leben, sich an einem Arbeitstag aber über eine Millionen Menschen in der Stadt aufhalten. Wenn diese Straftaten begehen, geht das auf das Konto von Frankfurt, egal, woher die Täter kommen. „In Großstädten ist die Kriminalität immer höher“, sagt Scheben. Doch Frankfurt steche nicht heraus. Frankfurt sei eine der sichersten Großstädte in Deutschland. „Dies zeigt die hohe Aufklärungsquote der Polizei“, sagt Kiesling.

Trotz Lärm und Kriminalität steigen die Mietpreise von Jahr zu Jahr an. Dadurch rangiert Frankfurt auf Platz zwei der teuersten Wohnungsmärkte nach München, laut des Marktberichts vom Immobilienportal Immowelt. Die Nettokaltmiete für Wohnungen ist im Durchschnitt nur noch 1,06 Euro günstiger als in München. Für Frankfurter stellt das aber eine höhere Belastung dar. Denn die Kaufkraft in der Mainmetropole liegt bei 114 Prozent des deutschen Durchschnitts – in München dagegen bei 136 Prozent. „Das ist der Beweis dafür, dass Frankfurts Image besser geworden ist“, so Scheben. Denn wenn viele Menschen in der Mainmetropole leben wollen, steigt die Nachfrage und die Preise ebenfalls. Doch der Raum ist begrenzt. Allein in diesem Jahr kamen 4.325 Neubürger in die Stadt, Tendenz steigend. Gegen alle Negativ-Studien und für das positive Image spricht auch die Studie der „Wirtschafts Woche“. Frankfurt sei demnach die Stadt mit der zweithöchsten Lebensqualität und Wirtschaftskraft in Deutschland. Bewertet wurde nach den fünf Kriterien Wohlstand, Arbeitsmarkt, Standortqualität, Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie kommunale Finanzlage.

Vor allem wegen der internationalen Ausrichtung hat Frankfurt auch in einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts als Stadt mit den besten Standortbedingungen der 30 größten deutschen Städte abgeschnitten. Rund 90 Prozent leben sehr gern oder gern in der Mainmetropole. Und 85 Prozent der Frankfurter sind stolz auf ihre Stadt, das ergab die Gemeinnützige Hertie-Studie.

Lesen Sie mehr über den Frankfurter Mietmarkt: "Zu hohe Mieten drängen Familien raus aus Frankfurt" .

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