Lufthansa stellt leisere Maschinen vor

Frankfurt Flughafen: Fraport investiert Milliarden für Lärmschutz

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Lufthansa-Umweltchef Karlheinz Haag vor dem Triebwerk einer B747-8.

Region Rhein-Main – 36 Milliarden Euro will die Lufthansa für neueFlugzeuge ausgeben. Die sollen leiser sein als die alten Maschinen. Dafür haben fluglärmgeplagte Menschen noch nicht einmal einen Seufzer übrig. Von Norman Körtge

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Flughafenbetreiber Fraport unternimmt, um Fluglärm zu reduzieren. Vorstandsmitglied Peter Schmitz stellte diese Woche unter der Überschrift „Aktiver Schallschutz“ ein ganzes Bündel vor, darunter verschiedene An- und Abflugverfahren. Die effektivste Maßnahme zur Lärmminderung ist es aber, an die Lärmquelle zu gehen. Die Flugzeuge. Da sei modernes Fluggerät das beste, um Lärm zu reduzieren, so Schmitz, und macht damit die Bühne frei für Kay Kratky.

Lufthansa macht den Lärm

„Wir machen den Lärm“, sagt der Lufthansa-Manager. Und da die Airline etwa 60 Prozent des Verkehrsaufkommens am Frankfurter Flughafen verursacht, produzieren die Kranich-Flieger damit auch einen Großteil des Lärms. Mit modernen Flugzeugen möchte die Lufthansa ihren Anteil zur Lärmreduzierung leisten und investiert in den nächsten zwölf Jahren 36 Milliarden Euro in die Erneuerung der Flotte. 295 neue Maschinen sollen dafür gekaut werden.

Eine dieser neuen Maschinen ist die Boeing 747-8, der neue Jumbo-Jet. Zwar zehn Prozent schwerer als die Vorgängerin B747-4, aber 30 Prozent leiser, sagt Karlheinz Haag, Leiter für Umweltkonzepte bei der Lufthansa und zeigt auf eine der insgesamt vier Turbinen. Selbst für den Laien sind die sägezahnähnlichen Austrittskanten zu erkennen, die die Luft so verwirbeln, dass weniger Lärm als bei glatten Kanten entsteht. Genauer hingeschaut werden muss beim Bugfahrwerk. Dort ist ein zuvor glatter Bolzen mehrfach eingekerbt, damit die Luft nicht über die glatte Oberkante streift und dadurch Töne entstehen, wie wenn man über eine Flaschenöffnung pustet.

Belohnung für leisere Maschinen

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Dieses Phänomen soll in einer Nachrüstaktion bei der Airbus-320-Flotte – die auf der Kurz- und Mittelstrecke eingesetzt werden – ebenfalls gemildert werden. An den Tankdruckausgleichsöffnungen an der Flügelunterseite werden dafür sogenannte Wirbelgeneratoren montiert. Zwei Dezibel leiser soll dadurch der Airbuswerden.

Was die Ohren der Menschen rund um den Frankfurter Flughafen entlasten soll, soll der Lufthansa auch Geld sparen. Denn die Fraport hat die lärmabhängigen Start- und Landentgelte weiter gespreizt, belohnt somit leisere Maschinen. So wird bei Starts die B747-8 in der 16 Stufen umfassende Lärmeinteilung in Kategorie zwölf eingruppiert. Die B747-4 in Kategorie 14. Kurios allerdings der Vergleich bei den Landungen: Da ist die neue B747-8 in der Kategorie zehn, die alte B747-4 aber in der günstigeren und damit leiseren Kategorie neun.

Wasser auf die Mühlen von Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa. Für den Offenbacher sind die vorgestellten Maßnahmen Propaganda. Am Gesamtschallpegel werde sich spürbar nichts ändern, ist er sich sicher. Denn die lärmreduzierenden einzelnen Maßnahmen würden „aufgefressen“ durch höheres Verkehrsaufkommen. Schon beim Bau der Startbahn West habe man auf leisere Flugzeugen gesetzt. Die gibt es auch. „Aber was ist passiert. Es ist insgesamt lauter geworden“, stellt Faulenbach da Costa fest.

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Hier geht es zum Kommentar von Redakteur Norman Koertge

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