Rockig, ranzig, retro:

Frankfurter sammeln Eintracht-Aufnäher

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Standesgemäß mit Jeanseinband und Aufnäher: Christian Hahn ist einer der Herausgeber des Buches „Näht auf, wenn ihr Adler seid“.

Region Rhein-Main – Nostalgisch, ehrfürchtig und immer mit einem Schuss Humor. Das Buch „Näht auf wenn ihr Adler seid“ zeigt etwa 100 Fan-Aufnäher zur Diva vom Main – von schräg bis liebenswert. Von Dirk Beutel 

Sie sind rockig, ranzig, retro und eine Herzensangelegenheit. Ein Bekenntnis zu seinem Fußballverein: Aufnäher, genäht auf Jeansjacken übersäten in den 70er und 80er Jahren die Stehplatzkurven der Stadien. Auch in Frankfurt, zumindest so lange, wie es noch Waldstadion hieß. Jetzt sind sie so gut wie verschwunden.

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Bevor aber wirklich die letzte Kutte mit ihren bunten Aufnähern in irgendeiner Truhe auf dem Dachboden verstaut wird und die Erinnerung an sie immer mehr verblasst, haben Christian Hahn, Till Adam  und Harald Pridgar  ein Buch zur Erinnerung an diese Fankultur herausgebracht. Vier Jahre haben sie die Idee mit sich herumgeschleppt, nun wurde sie Wirklichkeit. „Näht auf, wenn ihr Adler seid“ ist ein kleines Stück Geschichte der Fankultur der Frankfurter Eintracht geworden.

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„Früher mussten sich die Fans noch selbst behelfen. Da hat die Oma die Aufnäher auf die Jeansjacke nähen oder einen Schal in Vereinsfarben häkeln müssen. Damals war es ein Riesending ein Vereinstrikot zu bekommen, heute hat jeder Quetschenverein seinen eigenen Fanartikelladen“, sagt Christian Hahn: „Damals war das Marketing viel unschuldiger als heute, wo alles durchgestylt ist.“ Der 38-Jährige ist seit Kindesbeinen Fan der Frankfurter Eintracht und hat schon immer eine Schwäche für die kleinen kreativen Aufnäher und deren Träger gehabt. „Das waren meistens die harten Jungs, die solche Kutten getragen haben“, sagt Hahn. Wer damals etwas auf sich hielt, streifte sich die Kult-Kutte über.

Ein Beitrag zur Vereinsgeschichte

In der Heute sind die Stadien komfortabler geworden, das Publikum hat sich verändert. Fußball wird als Erlebnis verkauft. Immer mehr Frauen und Familien strömen in die Stadien. „Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß mit einer zerfransten Jeansjacke zum Fußball zu gehen“, sagt Hahn: „Trotzdem, die Fankultur ist heute nicht weniger kreativ. Die Ausdrucksform hat sich nur geändert.“

Etwa 100 Aufnäher haben Hahn, Adam und Pridgar zusammen getragen. Aufgelockert wird die Sammlung mit Erinnerungen und Erlebnissen von Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen, Kult-Comedian und Eintracht-Fan Henni Nachtsheim, oder Ex-Eintracht- Profi Thomas Zampach. „Jeder Verein lebt von seiner Geschichte und das Buch soll einen kleinen Beitrag dazu leisten.

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