Falschgeldexpertin warnt vor zu großer Sorglosigkeit

Der Schein muss nicht immer trügen

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Einen falschen Fünfziger erkennt Falschgeld-Expertin Brigitte Hunold sofort.

Region Rhein-Main – Die Bundesbank schlägt Alarm: 2012 war in Deutschland wieder mehr Falschgeld im Umlauf. Deshalb warnt Brigitte Hunold vom Hessischen Landeskriminalamt (LKA): Jeder sollte sich sein Geld immer genau ansehen. Von Dirk Beutel

Die Dummen sind die Bürger, die nichts ahnend unechte Geldscheine oder Münzen annehmen und weitereben. Denn wer das macht, begeht eine Straftat. Wer Falschgeld bei sich entdeckt, muss es bei der nächsten Bankfiliale oder Polizeidienststelle abgeben. Doch die Betroffenen bleiben auf dem Schaden sitzen, weil das unechte Geld nicht ersetzt wird. Deshalb rät Brigitte Hunold, Sachgebietsleiterin der Abteilung Auswertung Sprengstoff, Waffen und Falschgeld beim Landeskriminalamt, sein Geld immer genau in Augenschein zu nehmen.

Grund: Die Bundesbank hat vergangenes Jahr rund 41.500 falsche Euro-Banknoten registriert. Die Zahl der Fälschungen ist damit gegenüber dem Vorjahr (2011: 39.000) um etwa 6,4 Prozent gestiegen. Rein rechnerisch entfielen damit fünf falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner. Der durch Falschnoten verursachte Schaden erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr von 2,1 auf 2,2 Millionen Euro.

Ob Hessen von einer steigenden Falschgeld-Welle betroffen ist, kann Brigitte Hunold noch nicht bestätigen. Ihr Bericht wird im März erwartet. Eine Überraschung wäre es nicht. Seit 2009 verzeichnet das Landeskriminalamt auch bei uns immer mehr Falschgeld. Und die LKA-Expertin weiß: Hessen, mit der Bankenstadt Frankfurt, gehört zu den liebsten Umschlagplätzen der Fälscher.

Sogar Computerausdrucke sehen echt aus

Bei Hunold und ihren Mitarbeitern landet jedes Falschgeld, das von der Polizei in Hessen beschlagnahmt wird. Danach wird es analysiert: Wie wurde das Falschgeld hergestellt, woher kommt es, gibt es Zusammenhänge mit anderen Falschgeldfunden und gibt dies Rückschlüsse auf die Täter? „Vor allem in Südosteuropa und Italien wird massiv produziert“, sagt Hunold.

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Aus Deutschland stamme kein Profi-Falschgeld. Allerdings hat sie es immer mal wieder mit weniger professionellen Exemplaren zu tun. Einfach aber effektivproduziert: Mit einem herkömmlichen Computer und Drucker. Für einen flüchtigen Blick erscheinen diese Banknoten tatsächlich echt. Und genau da liegt das Problem:„Wir beschäftigen uns zu wenig mit unserem Geld“, sagt Hunold. „Keiner ist im Umgang mit Geld ein Laie. Jeder besitzt es, jeder benutzt es“, sagt die LKA-Sachgebietsleiterin: „Aber viele gehen zu sorglos mit ihrem Geld um.“ Ihr kuriosestes Beispiel: Ein einseitig bedruckter 500-Euro-Schein, der tatsächlich angenommen wurde.

Deshalb rät die Expertin: Fühlen, sehen, kippen und die Sicherheitsmerkmale auf Scheinen und Münzen überprüfen. In nur wenigen Augenblicken kann jeder feststellen, ob er einen falschen Fünfziger in der Hand hält oder nicht.

Wer sich die Sicherheitsmerkmale in Erinnerung rufen möchte, kann sich unter www.bundesbank.de informieren.

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