Neuer Trend: "Exit-the-room"-Spiele

In Frankfurt werden Computer-Spiele real

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Die Zeit läuft: Redaktionsleiter Axel Grysczyk und die EXTRA TIPP-Kollegen grübeln über dem Spiel „The bomb“.

Frankfurt - Auf der Hanauer Landstraße kann man selbst handeln und agieren wie in einem Computerspiel. Escape-Events bietet den neuen Trend in der Spiele-Welt: Aus einem verriegelten Raum entkommen in nur einer Stunde. Von Axel Grysczyk

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Verliebt in eine Computerfigur

Ein Kellerraum, rund 30 Quadratmeter groß, ein paar Gegenstände. Genauer: Ein Schreibtisch, ein Mikroskop, ein Tresor, ein abgeschlossener Glasschrank und noch ein paar Dinge mehr. An der Wand die Digitalanzeige einer Uhr, die unaufhörlich rückwärts tickt. Bei 60 Minuten startet sie. Die Aufgabe ist klar und dennoch bedrückend: Stromausfall im Hochsicherheitslabor, ein hochansteckender Virus ist ausgebrochen. Der Raum ist kontaminiert und wurde verriegelt. Und der Virologe ist nicht da, deshalb muss sich die Gruppe etwas einfallen lassen. 60 Minuten laufen, um das universelle Antivirus im Labor zu finden. Das ist die Ausgangssituation für das Spiel „Biohazard“. Hakan Avci von Escape-Events denkt sich solche „Exit-the-room-Spiele“ aus. In seinen Räumen in der Hanauer Landstraße 205 in Frankfurt sollen sich die Teilnehmer der Spiele vorkommen, als wären sie selbst Teil eines Computerspiels. In einer Gruppe versucht man, sich gegenseitig zu helfen, zu überlegen, zu kombinieren. Man muss mit einem Spielzeugbagger ein Reagenzglas angeln, Viren analysieren, mikroskopieren und immer die tickende Uhr im Blick behalten. Der EXTRA TIPP hat’s ausprobiert. Sechs EXTRA TIPPer versuchen das Biohazard-Rätsel zu knacken. Manchmal kombiniert sich die Gruppe ins Abseits. Dann gibt Avci, der in einem Nebenraum das Geschehen per Monitor überwacht, Tipps oder schickt Hinweise auf einen Bildschirm. „Suche im Schreibtisch nach dem Schlüssel“ lautet beispielsweise eine dieser Nachrichten.

Spielen mit Original-Bundeswehr-Bombe

Für Avci steht fest: Wer als Team gut zusammen arbeitet, knackt das Rätsel. 75 bis 80 Prozent der Gruppen lösen die Aufgabe. Neben dem Biohazard-Spiel gibt es die Räume „Black & White“, „The bomb“ und „Aghata C.“. Schon bald sollen „CSI Frankfurt“ und „Alcatraz“ dazu kommen. Der Reiz ist die Authentizität. Die Spieler sollen sich wirklich wie in einem Labor vorkommen. Dafür investiert Avci in jedes Detail. Er und seine drei Kollegen aus dem Kreativ-Team haben beispielsweise monatelang recherchiert, um eine originale Bundeswehr-Bome für ihr Spiel „The bomb“ zu bekommen. Avci: „Als wir dann die Bombe in unseren Räumen installierten, tauchte die Polizei auf. Sie hätten gehört, dass wir mit einer Bombe experimentierten und wollten sich das genauer anschauen.“ Für Avci ein Ritterschlag, zeigt es doch, wie detailverliebt sie arbeiten. Auch das Beobachten während des Spiels habe nur ein Ziel: Es zu verbessern.

Schon Aktionsspiele fürs Fernsehen entwickelt

Avci kennt sich mit Spielen aus. Schon als Kind und Jugendlicher habe er sich Spiele ausgedacht oder versucht, Klassiker wie Monopoly weiter zu entwickeln. Später arbeitete er unter anderem für RTL und hat Aktionsspiele fürs Fernsehen entwickelt, unter anderem für „Das ist Spitze“ oder „Himmel und Hölle“. Auch im Schweizer Fernsehen sind Avcis Ideen immer wieder zu bewundern. Sein Spieltrieb bringt Erfolg. Seine „Exit-the-room-Spiele“ soll es bald noch in Köln und Hamburg geben. In Istanbul gibt es den Spielspaß bereits. Und Avci feilt weiter: Er will seine Spiele so konzipieren, dass sie immer weniger mit Sprache auskommen, um sie überall in der Welt anbieten zu können, er will bei seinen Spielen in Frankfurt ein zweites Level einbauen, damit seine Kunden auch auf alle Fälle wiederkommen, und er träumt weiter von seiner Lieblingsidee: Ein Spiel rund um ein Raumschiff im Weltall zu entwickeln.

Noch 1.35 Minuten zeigt die Digitalanzeige. Rechtzeitig hat das EXTRA TIPP-Team im Biohazard-Raum das letzte Rätsel gelöst. Eine letzte Seriennummer wird gescannt, sie ist richtig, und die Tür öffnet sich. Draußen wartet Avci. Seine erste und wichtigste Frage: „Hat’s Spaß gemacht?“ Das sei schließlich das Allerwichtigste und der Antrieb für seine Arbeit. Und wir sind uns sicher: „Ja, das hat es!“

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