Sprühaktion gegen Eichenprozessionsspinner

Frankfurt bekämpft Raupen per Helikopter

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Nach ein paar Minuten hebt der Helikopter mit gefüllten Tanks wieder ab.

Frankfurt - 200.000 Euro lässt sich die Stadt Frankfurt den Kampf gegen einen flauschigen Feind kosten: Im Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners kommen nicht nur Sprühkanonen und Sauger zum Einsatz, sondern auch Helikopter. Ohne diese Maßnahmen wäre die Gesundheit vieler Bürger in Gefahr.

Felix Lemke landet mit seiner Hughes 500 punktgenau auf dem kleinen Platz an der Commerzbank-Arena. 20 Minuten fliegen und nach genauem Plan sprühen, ein paar Minuten auftanken, wieder abheben. Das Bodenteam, Ralf Köhler und Roland Heinicke, kennt jeden Handgriff, alles geht sehr schnell und unaufgeregt. Profis eben. Mit ihrer Arbeit stellen sie sicher, dass Frankfurts Bürger den Stadtwald genießen können, ohne eine ganz bestimmte Plage fürchten zu müssen: die Larven des Eichenprozessionsspinners.

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Dirk Bührmann vom Grünflächenamt beobachtet den Einsatz. „Mit der DHD Heliservice haben wir einen kompetenten Partner im Kampf gegen die Raupen an unserer Seite“, sagt der Experte. Etwa je 150 Liter fassen die beiden Tanks am Fluggerät mit den Sprüharmen. Pro Flug können damit etwa sieben Hektar bearbeitet werden.

Bereits am 4. Mai flog der Hubschrauber im Bereich Fechenheim und Riederwald. Einen Tag später startete der Helikopter vom Areal der Commerzbank-Arena aus, um vor allem den Stadtwald und die Sachsenhäuser Flächen zu bearbeiten. „Das Besprühen aus der Luft kostet beispielsweise für 28 Hektar etwa 1.200 Euro. Würden wir mit Sprühkanonen vom Boden aus die gleiche Fläche bearbeiten, entstünden Kosten von 12.000 Euro“, sagt der Fachmann. Insgesamt werden dieses Jahr 185 Hektar Wald aus der Luft besprüht, die gesamte Maßnahme inklusive der Arbeiten vom Boden aus lässt sich die Stadt Frankfurt etwa 200.000 Euro kosten.

Brennpunkt Naherholungsgebiet

Eingesetzt wird das Präparat Dipel ES mit der wirksamen Substanz Bazillus thurgingiensis. Es ist ein biologisches Mittel, das nach drei bis vier Tagen zerfällt und für Mensch, Tier und den übrigen Naturhaushalt nicht schädlich ist. „Das Mittel wird seit Jahren in modifizierter Form auch zur Schnakenbekämpfung in der Rheinebene eingesetzt“, berichtet Bührmann. In Frankfurt wird es seit 2007 verwendet. Die Wirksamkeit beträgt zwischen 70 und 80 Prozent. Deshalb müssen die Raupennester zusätzlich Tage nach dem Sprühen noch abgesaugt werden.

„Wir müssen ökonomisch und ökologisch denken“, erläutert der Experte. „Der Stadtwald ist ein viel genutztes Naherholungsgebiet, das an Brennpunkten behandelt wird“, sagt Bührmann. Dabei arbeiten Grünflächenamt und Gesundheitsamt in der Planung zur Larven-Bekämpfung zusammen.

Die Nachkommen des unscheinbaren Falters sind in diesen Tagen kurz vor ihrem dritten Stadium – der beste Zeitpunkt für den Sprüheinsatz. Zudem sind die Raupen unersättlich und fressen ganze Bäume kahl.

Brennhaare reizen Atemwege

Dabei sehen die Larven mit den langen Haaren aus wie kleine Felltiere. „Das Gefährliche sind nicht die langen Härchen, sondern die kurzen, kaum sichtbaren, die Brennhaare“, erklärt Dirk Bührmann. Selbst in alten Raupennestern können sie noch vorhanden sein, Vorsicht ist geboten. „Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Allergiker“, warnt Bührmann, „bei Kontakt mit den Brennhaaren kann es zu Hautausschlägen, Reizungen der Augen und Atemwege kommen.“ Deshalb werden in den nächsten Wochen zusätzlich etwa 5.500 Eichen an Straßen, in öffentlichen Grünanlagen, an Kindertagesstätten, auf Spielplätzen, Schulhöfen und Friedhöfen vom Boden aus mit Sprühkanonen eingenebelt.

Das Grünflächenamt hat für Fragen rund um das Thema Eichenprozessionsspinner eine Hotline eingerichtet, unter 069 21230991 kann man sich erkundigen oder Auffälligkeiten melden. Außerdem hat das Amt unter www.gruenflaechenamt. stadt-frankfurt.de einen bebilderten Flyer ins Internet gestellt.

jf

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