Fotos vom Leben zwischen Banken und Bordellen: Er schießt für einen besseren Ruf

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Das Bahnhofsviertel hat mehr Facetten als Prostitution und Gewalt. Mattners Bilder zeigen das.

Frankfurt – Der Frankfurter Fotograf Ulrich Mattner will nun mit einer Fotoreportage zeigen, dass es im Rotlicht-Karree im Bahnhofsviertel neben Laufhäusern und Fixer-Stuben, auch liebenswerte Ecken gibt. Von Christian Reinartz

Anfang des Jahres hat es ihn gepackt. Mit Sack und Pack zog der Frankfurter Fotograf in die Münchner Straße. Mitten ins Rotlichtviertel. Eine Entscheidung für sein Mammut-Fotoprojekt: Das Bahnhofsviertel. Zwar fotografiert er schon seit rund sechs Jahren die Gegend um den Hauptbahnhof. „Wenn ich einen solchen Stadtteil aber richtig fotografieren will, muss ich da auch leben“, sagt Mattner.

FOTOS

Seitdem streift er Tag für Tag durch das Frankfurter Amüsierviertel, immer auf der Suche nach lohnenden Motiven. Meistens abseits der Bordelle, außerhalb der Table-Dance-Bars. „Hier ist das Leben, hier ist der zentralste Ort der Stadt. Sowas wie das Bahnhofsviertel ist in ganz Europa einzigartig“, sagt Mattner: „Und hier leben jede Menge nette Menschen“. Auch wenn diese auf den ersten Blick nicht immer so aussähen.

Mattner kennt alles und jeden

Ein Motiv Mattners: Ein kleiner Junge freut sich über seinen frisch geschorenen Kopf.

Und wirklich: Mattner kennt alles und jeden im Bahnhofsviertel. Er ist so etwas wie eine kleine Berühmtheit, er ist „der große Lockenkopf, der unser Leben fotografiert“, flüstert ein kahlköpfiger Ladenbesitzer mit stolzem Grinsen. Er will nicht, das Mattner ihn hört.
Der hat sich schon wieder einem neuen Motiv zugewandt: Einem Friseursalon für afroamerikanische Frisuren. Er betritt selbstsicher den Laden. Begrüßt den Besitzer herzlich, fragt, ob er bei der Arbeit fotografieren darf. Er darf. 20 Klicks später ist eine weitere Bilder-Serie im Kasten. Er bedankt sich und hinterlässt zufriedene Gesichter. „Ich mag ihn“, sagt eine Kundin als Mattner gerade hinausgeht.

Rotlicht gehört zum Bahnhofsviertel dazu

Sein einnehmendes Wesen ist es wohl auch, das dem Fotografen in den vergangenen Monaten sogar die am sichersten verschlossenen Türen im Bahnhofsviertel geöffnet hat. Etwa zur Sicherheitszentrale des Bordells „Crazy Sexy“ in der Elbestraße. Dort fotografierte er den tätowierten Wachmann vor seinen Überwachungsbildschirmen.
Denn ausklammern will Mattner das Rotlicht nicht: „Das Bahnhofsviertel fasziniert mich aber gerade wegen seinen großen Kontraste zwischen arm und reich, zwischen Banken und Bordellen, zwischen Geschäftsleuten und Junkies.“

Mattners Werke sehen

Eine Auswahl von Mattners Bildern ist noch bis Dienstag, 12. Oktober, in der GM-Fotogalerie, Taunusstraße 47, zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr.

Seine besten Quartier-Aufnahmen will Mattner dann in einem Bildband veröffentlichen. Wann das sein wird, weiß er noch nicht. „Ich hab doch noch lange nicht alles fotografiert.“ Mehr Bilder gibt‘s unter www.frankfurt-inside.com oder www.umattner.de.

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