Betriebe und Abholer gesucht

Foodsharing-Idee soll sich auch in Offenbach entwickeln

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Darf´s noch eine Haxe sein? Kerstin Stein (links) kommt seit vier Wochen zu Nadine Dammer und versorgt ihre Familie für eine ganze Woche mit den Lebensmitteln, die sie bei der Offenbacherin bekommt.

Offenbach - Nadine Dammer verschenkt Essen. Die Offenbacherin holt viermal die Woche Brote, Wurst, Käse, Obst und Gemüse von Supermärkten ab und verteilt sie kostenlos weiter. Hauptsache, die Lebensmittel landen nicht im Müll. Von Dirk Beutel

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Essen verschenken, das ist ganz nach dem Geschmack von Nadine Dammer. Man sieht es ihr nicht auf den ersten Blick an, aber sie ist eine Kämpferin. Gegen Verschwendung, gegen Vermüllung. Sie ist Mitglied bei dem Verein foodsharing und rettet Lebensmittel vor der sinnlosen Entsorgung.
Viermal in der Woche fährt die 30-jährige Offenbacherin Supermärkte und Bäckereien nach Ladenschluss ab und sammelt Lebensmittel ein die sonst im Müll gelandet wären. Nicht, weil das Essen schlecht wäre, sondern weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder das Sortiment des Betriebes aufgefrischt wird. So landen jeden Tag essbare Lebensmittel einfach im Müll.

20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr im Müll

Wer auch bei dem Verein foodsharing mitmachen und Lebensmittel retten möchte, kann sich im Internet auf www.foodsharing.deanmelden, dort gibt´s auch weitere Informationen zum Projekt

Nach Angaben des Vereins foodsharing sollen es in Deutschland etwa 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr sein. Tomaten, Paprika, Rosenkohl, Haxen, Wurst, Schinken, Käse – kiloweise essbare Lebensmittel schleppt Dammer Woche für Woche in den vierten Stock ihrer Wohnung. Einen Teil der Lebensmittel verbraucht sie selbst. Den Rest verteilt sie kostenlos weiter. An wen ist erstmal egal. Entscheidend ist, dass das Essen nicht sinnlos in der Tonne landet. „Ob Hartz IV-Bezieher, Student oder Aufstocker, jeder nimmt sich soviel, wie er verwenden kann“, sagt Dammer.
Was dann noch übrigbleibt, wird über das Internet für das restliche Netzwerk angeboten. Es gibt auch die Möglichkeit, das Essen in öffentlich zugänglichen Regalen abzuliefern, wie etwa an der Frankfurter Universität  am Campus Westend  oder in Bockenheim. Um das Essen mitzunehmen, braucht man keinen Einkommensnachweis. „Es geht nicht um die Bedürftigkeit, sondern ums Essen. Es wird einfach zuviel weggeschmissen. Das Haltbarkeitsdatum ist noch für viele Menschen ein Kriterium fürs Einkaufen, dabei sollten sie sich mehr auf ihre Sinne verlassen.“ Dammer sammelt nicht nur Lebensmittel und verteilt sie, sondern kümmert sich außerdem darum, dass sich noch mehr Betriebe und noch mehr Essens-Abholer bei foodsharing engagieren. Zurzeit sind es über 20 Betriebe in Frankfurt, deren Lebensmittel von etwa 150 aktiven Teilnehmern zum Weiterverteilen abgeholt werden.

"Jeder kann etwas gegen Verschwendung tun"

In Offenbach steckt die Idee noch in den Kinderschuhen. Bislang konnten erst zwei Betriebe und etwa 30 Mitglieder überzeugt werden. So wie Kerstin Stein: „Das ist ein Wahnsinn, wenn man darüber nachdenkt, dass das alles weggeworfen worden wäre“, sagt die Mühlheimerin die sich zum vierten Mal Lebensmittel bei Nadine Dammer besorgt. „Danach plane ich mittlerweile meinen Kochplan für meine Familie. Was ich hier mitnehme, genügt uns für eine ganze Woche“, sagt Stein. Den Vorwurf, Teilnehmer von Foodsharing würden den Tafeln das Essen wegnehmen lässt sie nicht gelten: „Wir sind eine Ergänzung und decken noch vorhandene Lücken ab“, sagt Dammer. Gemeinsam mit Melanie Kersten  ist sie auf der Suche nach weiteren Betrieben und Lebensmittelrettern in und außerhalb Offenbachs, die mitmachen: „Jeder kann etwas gegen die Verschwendung tun. Die Hauptsache ist, dass essbare Lebensmittel nicht mehr im Müll landen.“

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