Selbstverständnis wandelte sich

Fluglärmkommission legt Arbeitsbilanz vor

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Thomas Jühe (von links), Katrin Eder, Franz-Rudolf Urhahn, Geschäftsführerin Anja Wollert, Michael Antenbrink stellten die Arbeit der Kommission vor.

Frankfurt - Eigentlich gibt es die Kommission zur Abwehr des Fluglärms bereits seit 1966 in Frankfurt, sie war deutschlandweit die erste. Doch ihr Selbstverständnis wandelte sich vor zehn Jahren.

Die Zeiten, in denen sie geduldig auf Vorschläge zur Lärmminderung durch den Flughafenbetreiber Fraport, die Deutsche Flugsicherung (DFS) oder die Landesregierung wartete, sollten vorbei sein.

Der neue Vorsitzende Thomas Jühe, Bürgermeister in Raunheim, wollte eigene Initiativen einbringen und aktiv auf gesetzliche Grundlagen einwirken. So stellte die Fluglärmkommission (FLK) in der vergangenen Woche ein Gutachten ihrer Arbeit der vergangenen zehn Jahren vor. Damit war extern das Öko-Institut beauftragt worden. „Wir wollten wissen, was aus den Aufträgen der Bürger in Sachen Schallschutz geworden ist“, erklärte Thomas Jühe.

26 Vorschläge wurden umgesetzt

In den Jahren 2004/05 waren 81 Vorschläge eingegangen. „Ich bemühte mich um die fachliche Prüfung der Vorschläge, aber das kostet Geld. Und wir hatten keine Institution, die das prüfen konnte“, erläutert Jühe. Erst als 2008 das Forum Flughafen und Region eingerichtet wurde, seien Prüfungen möglich geworden. Mehr Transparenz Ausführlich stellte Silvia Schütte vom Öko-Institut die Ergebnisse der Prüfung vor. Umgesetzt wurden 26 Vorschläge, darunter die Überprüfung der Fluglärm-Messpunkte und die Erweiterung der Messungen, die Darstellung der Ergebnisse in einer öffentlich zugänglichen Karte und die jährliche Überprüfung. Die Homepage der FLK www.flk-frankfurt.de ging am 24. April 2013 online. „Damit gibt es mehr öffentlich zugängliche Informationen, die Transparenz ist größer geworden“, sagte Schütte.

Eine Betriebsrichtungsprognose ist für die nächsten fünf Tagen ablesbar. „Dann weiß man, ob eine unterhaltsame Gartenparty steigen kann oder nur Lippenbewegungen möglich sind“, veranschaulichte Thomas Jühe. Die Prognose treffe zu über 90 Prozent zu und werde stark genutzt. „Maßnahmen des aktiven Schallschutzes benötigen Zeit und Aufwand, um eine Erprobung beziehungsweise Realisierung zu erreichen“, weiß Thomas Jühe, „in Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren steigen die Chancen, dass Maßnahmen umgesetzt werden.“ Inzwischen lässt sich die FLK nicht mehr mit ein paar Zahlen abspeisen: „Die DFS weiß, dass sie verbessertes Material zur Verfügung stellen muss, sonst finden keine Beratungen mit uns statt“, erklärte Jühe.

Nachtflugverbot wurde erreicht

Erreicht wurden auch das Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr und die Erhöhung des Anfluggleitwinkels auf 3,2 Grad auf der Landebahn Nord-West. „Diese Forderung wurde 2004 noch abgelehnt, jetzt berät die Fraport mit. Die Tür für Gespräche über weitere Verbesserungen wurde aufgestoßen“, stellte Jühe fest. „Viele Maßnahmen bewirken erst in der Summe etwas“, ergänzte Michael Antenbrink, Bürgermeister von Flörsheim. Nicht alles wurde erreicht. Die Schließung der Airbase Wiesbaden-Erbenheim beispielsweise. Oder die Verschiebung der Startschwelle West sowie die Festlegung von Mindestüberflughöhen über Wohngebieten. „Die überregionale Arbeit muss noch verbessert werden, ebenso muss auf entsprechende Gesetzesvorlagen eingewirkt werden“, sagte Schütte. „Der Ball liegt oft in Berlin“, ergänzte Jühe. „Wir haben einen Minimalkonsens erreicht. Aber bei so vielen Akteuren ist das ein Erfolg. Wir erklären mehr als vorher, schaffen Transparenz und sind gesprächsbereit“, urteilte Katrin Eder, Umweltdezernentin der Stadt Mainz. „Der Öffentlichkeitsbezug wurde gerade in den letzten zwei Jahren gestärkt“, sagte Franz-Rudolf Urhahn, Erster Stadtrat von Mörfelden-Walldorf, „wir haben uns nie damit begnügt, nur Beratungsinstrument des Hessischen Wirtschaftsministeriums zu sein.“

Die Diskussion über Fluglärm wird weiter gehen. Thomas Jühe spricht bezüglich der Nord-West-Bahn von „sehr hohen Erwartungen der Bevölkerung“. „‘Macht das wieder weg’, wird gefordert. Aber das ist nicht möglich“, verdeutlichte er. „Die Bürgerinitiativen haben die Arbeit der FLK erleichtert, wobei sie andere Ziele verfolgen als wir. Aber man hat miteinander diskutiert und Verständnis füreinander gewonnen“, erklärte Antenbrink. Die FLK wird weiter aktiv bleiben – darin sind sich alle Vorstandsmitglieder der insgesamt 40-köpfigen Kommission mit Vertretern aus 32 Kommunen einig. jf

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