Fluglärm: Ist Minister Tiefensee auf einem Ohr schon taub?

Offenbach - Ein Unheil kommt selten alleine. Das mussten nun erfahren. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel möchte nicht alle Klagen der Ausbaugegener des Frankfurter Flughafens berücksichtigen. Viele Argumente könnten unberücksichtigt bleiben. Von Norman Körtge

Den Hammer lieferte aber Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee: Er fordert die Ausweitung des Nachtflugbetriebs. Auf die Klagen der Bürger hört er nicht.

Ob der Bundesverkehrsminister überhaupt schon einmal in Offenbach war, weiß Stadtrat Paul-Gerhard Weiß nicht. Dass es dem Mann aus Berlin aber gut zu Gesicht stehen würde, sich einmal bei den Nachbarn des Frankfurter Flughafens Blicken zu lassen, steht außer Frage. Freunde hat sich Tiefensee mit seiner generellen Forderung nach mehr Nachtflügen jedenfalls nicht gemacht. "Das hat er sich von der Luftverkehrswirtschaft in den Block schreiben lassen", schimpft Weiß, "ohne Rücksicht auf die Bevölkerung." Er müsse den Interessen aller Beteiligten dienen und nicht nur der Lobbypolitik zum Durchbruch verhelfen. Denn wenn es bei der Tiefensee-Aussage bleibe, würden die errungenen Kompromisse nach und nach aufgelöst. Der Stadtrat erinnert daran, dass der Bau der Nordwest-Bahn an ein Nachtflugverbot gekoppelt war. Mehr Lärm am Tag, dafür Ruhe in der Nacht. "Herr Tiefensee muss sich damit beschäftigen", betont Weiß und gibt sich kampfbereit: "So schnell geben wir nicht auf!"

Offenbachs Stadtrat befürchtet, dass durch die Aussagen des Verkehrsministers das ohnehin schon erschütterte Vertrauen der Bürger in die Politik weiter Schaden nimmt. "Das Nachtflugverbot war versprochen", betont Weiß und erinnert auch an die Worte des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Auf stur schaltet Weiß jedenfalls nicht. Man biete gerne an, bei der Erstellung des Flughafenkonzepts mitzuarbeiten und die Erfahrung als massiv betroffene und durch Fluglärm in ihrer Entwicklung behinderte Großstadt einzubringen.

Und diese Behinderung ist enorm. Derzeit darf die Stadt auf einer Fläche von 196 Fußballfeldern keine Kindergärten, Schulen, Altenheime, Krankenhäuser oder andere so genannte lärmsensible Einrichtungen mehr bauen. Im Ausbaufall vergrößert sich diese Fläche auf die Größe von 3.300 Fußballfeldern. Das alles im Stadtgebiet. Eine Entwicklung ist da nicht mehr möglich. Einen vergleichbaren Fall gibt es nicht. Deshalb drängt Weiß auch darauf, dass alle Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof verhandelt werden. "Die unterschiedlichen Betroffenheiten von Kommunen und Privatpersonen sind einfach zu groß", sagt Weiß. Aufgegeben hat er den Kampf trotz der schlechten Nachrichten der vergangenen Tage nicht: "Wir bleiben dran!" (siehe auch Kommentar Seite zwei).

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