Flügel wie ein Engel: Tätowierungen sind oft mehr als nur Körperschmuck

Besonders gut in Erinnerung geblieben ist ihm eine amerikanische Kundin, die zu Besuch in Seligenstadt war. "Sie hatte ihren 16-jährigen Sohn verloren und wollte etwas haben, das sie immer an ihn erinnert", berichtet Ronni. Zunächst wollte sie dessen Namen in einen Flügel tätowieren.

Doch dann kam im gemeinsamen Gespräch eine andere Idee. "Kurz vor seinem Tod hatte die Frau einen Brief von ihrem Sohn bekommen. Seine Unterschrift habe ich dann auf den linken Unterarm tätowiert â?? in der Nähe zum Herzen."Ronni lacht viel. Doch bei dieser Kundin war er ernst. "Als sie das fertige Tattoo gesehen hat, musste sie weinen. Den Tod hatte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig verarbeitet." Solche Momente vergesse man nicht. Einige Zeit später erreichte den Aschaffenburger eine Karte aus den USA, in der sich die Frau für das Tattoo bedankt.Nicht ganz so traurig ist die Bedeutung von Chrisâ?? Tätowierung â?? Engelsflügel â?? , die seinen Rücken und die Arme zieren. Zirka 28 â?? teilweise schmerzvolle â?? Stunden Arbeit und zehn Sitzungen stecken schon drin. Vor einem halben Jahr stach Ronni die ersten Federn. Doch das aufwendige Motiv ist ein Langzeitprojekt, das noch immer nicht fertig ist. "Vor zehn Jahren habe ich davon geträumt, dass ich aufwache und Engelsflügel habe", erinnert sich Chris. Seitdem ist es ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. "Dieser Traum kam immer wieder. Da wusste ich, das muss etwas zu bedeuten haben."Ein paar abgebrochene Federn sind auf seine Arme tätowiert. "Ich bin ein gefallener Engel, der als Mensch auf der Erde leben muss." Eigentlich wollte er sich auch Begriffe auf die Federn tätowieren lassen. "Liebe, Hass, Geld zum Beispiel. Das sind Dinge, die einen Menschen im Leben prägen und Sorgen bereiten", erklärt der 28-Jährige.Doch diesen Plan hat er erst mal auf Eis gelegt. Für ihn spiegelt sein Tattoo seinen Charakter wieder. Er hatte es nicht immer leicht. "Ich bin schon mit 17 Jahren von zu Hause ausgezogen, weil es mir in der Großfamilie zu eng wurde", berichtet er: "Fünf Jahre später bin ich Vater geworden." Für seine Tochter ist er ein Beschützer, für seine Freunde "ein Knuddelbär", wie Ronni sagt. Die Flügel stünden auch für seine Gutmütigkeit.Doch längst nicht alle Kunden machen sich so viele Gedanken über ihr Tattoo wie Chris oder die Kundin aus Amerika. "Eine Zeit lang war es angesagt, eine Geschichte zu dem Tattoo zu haben", sagt Ronni und lacht: "Aber die meisten lassen es sich nur stechen, weil es gut aussieht."Wer sich auch ein bedeutungsvolles Tattoo stechen lassen will und Inspiration sucht, findet die auf der dritten Tattoo Convention am Samstag, 12., von zwölf bis 24 Uhr und Sonntag, 13. September von zwölf bis 20 Uhr in Offenbach-Mühlheim, Willy-Brandt-Halle in der Dietesheimer Str. 90.

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