Am Frankfurter Hauptbahnhof

Flüchtlingszahl verdoppelt: Zu wenig Polizei-Personal?

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Am Hauptbahnhof stranden immer mehr Flüchtlinge, die von der Polizei empfangen werden. 1000 hilfesuchende Menschen kamen 2013. Ein Jahr später schnellte die Zahl auf 2000.

Frankfurt – Sie kommen aus Afghanistan, Syrien und anderen Krisengebieten. Immer mehr Flüchtlinge erreichen Frankfurt am Hauptbahnhof. 2013 waren es 1000 Hilfesuchende, 2014 hat sich die Zahl verdoppelt. Und damit auch die Arbeit für die Polizei. Von Oliver Haas

Kleiner Schritt aus dem Waggon – ungewisser Blick in die Zukunft. Sie werden immer mehr. Flüchtlinge, die in Frankfurt mit dem Zug ankommen. Oft mit nichts als den Kleidern auf dem Leib stehen sie nach langen Reisestrapazen in der Bahnhofhalle. Alte, junge Menschen und kleine Kinder: Die Zahl der Hilfesuchenden am Verkehrsdrehkreuz ist im vergangenen Jahr drastisch angestiegen.

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Im Jahr 2013 waren es 1000 flüchtende Menschen, die am Hauptbahnhof mit dem Zug einreisten. 2014 hat sich die Zahl auf 2000 erhöht“, sagt Ralf Stroeher, Pressesprecher der Polizei in Frankfurt. Die Menschen gäben sich meist direkt als Flüchtlinge zu erkennen und meldeten sich sofort auf der Wache. Oder sie würden als auffällige Gruppe von einer Streife empfangen, erklärt Stroeher. Etwa 95 Prozent aller Flüchtlinge kommen am Hauptbahnhof an.

Und auch bereits für das laufende Jahr ist die Tendenz der bahnreisenden Flüchtlinge steigend. Der Beamte glaubt, dass in Zukunft die Flut der flüchtenden Menschen am Bahnhof nicht abebbt. „Die vielen Krisenherde der vergangenen Jahre wirken sich auf die Zahl der Flüchtlinge aus. Und das merken wir hier am Bahnhof natürlich auch.“ Vor allem aus Afghanistan erreiche ein großer Teil die hessische Metropole auf Gleisen.

Polizei schafft zusätzlichen Arbeitsaufwand durch Flüchtlinge kaum

Mit der Ankunft dieser Menschen ist gleichzeitig ein immenser Arbeitsaufwand für die Polizei verbunden. Auf der Wache werden Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen, oft erschweren Sprachbarrieren die Prozedur und Kommunikation. Und ein Dolmetscher steht auch nicht immer sofort parat. Arbeitsaufwand, den die sowieso dünn besetzte Polizei stemmen muss. „Mehr Personal werden wir sicher dafür nicht bekommen. Aber wir werden das irgendwie schaffen“, gibt sich Stroehr zuversichtlich. Für Heinrich Schmitt, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft im Landesverband Hessen, ist der Aufwand durch die vielen Flüchtling am Hauptbahnhof ein weitere Grund, warum allein in Frankfurt 500 Polizisten neu eingestellt werden sollten: „Aber dank der schwarz-grünen Regierung wird es aufgrund der Schuldenbremse nicht mehr Personal geben. Es ist klar, dass die Polizei durch diese Mehrbelastung an anderen Stellen fehlt.“

Schleuser sind nur schwer zu ermitteln

Es stehen oft dramatische Schicksale hinter den Asylsuchenden. Zu allem Überfluss wird mit der Not der Menschen viel Geld verdient. Für Schleuser sind sie Teil eines eines lukrativen Geschäfts. Für ihre Odyssee mit der Bahn mussten die Flüchtenden oft viel Geld zahlen. Laut Polizei sind es oft bis zu 10.000 Euro, die ganze Familien dafür zusammenkratzen müssen. „Wir sind natürlich sehr interessiert daran, wie die Menschen über die Grenze gekommen sind. Aber es ist fast nie möglich etwas Genaues über die Schleuser zu erfahren“, sagt Stroeher.

Nach der Aufnahme-Prozedur in Frankfurt steht für die Ankömmlinge die nächste Zugfahrt an: Ziel Gießen. Dort können sie in der Erstaufnahmeeinrichtung einen Asylantrag stellen. Übrigens: Wenn die Flüchtlinge in Frankfurt eintreffen, begehen sie gleichzeitzig die Straftat „Unerlaubte Einreise“. Auch wenn die Anzeige meistens fallen gelassen wird, so fließt das Delikt jedes Mal in die Frankfurter Kriminalitätsstatistik. Und stützt so den Stadt-Titel „Hauptstadt des Verbrechens“, obwohl Frankfurt durch diese Taten sicher nicht gefährlicher wird.

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