Schwere Aufgabe

Dieburger Verein bringt Asylsuchenden das Schwimmen bei

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Geschafft! Die ersten Flüchtlinge haben in Dieburg das Schwimmen gelernt. Viele mussten aber erst ihre Angst überwinden.

Dieburg – Menschen, die neben dem Balkan vor allem aus dem Nahen Osten oder Afrika nach Europa flüchten und auch in Deutschland Schutz und Zukunft suchen. Beim WSV Dieburg lernen Flüchtlinge, ihre Angst vor dem Schwimmen zu überwinden. Denn bisher bedeutete Wasser für viele den Tod. Von Jens Dörr

Viele hundert sind in der Region untergebracht. Einige von ihnen lernen nun in Dieburg das, was viele von ihnen bisher nicht konnten: Der Wassersportverein (WSV) Dieburg bringt ihnen das Schwimmen bei.

Für den WSV betreut Schwimmtrainerin Hanne Pantke die meist unter 18-Jährigen, die überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Eritrea stammen. „Sie alle sind ohne Eltern ganz allein nach Deutschland geflohen“, sagt Pantke. Erst nach und nach offenbare sich ihr, was manche von ihnen durchgemacht haben müssen.

So sei der Sprung ins kühle Nass für viele von ihnen ein völlig neues Erlebnis gewesen: „Einige sind noch nie geschwommen, hatten überhaupt kein Wassergefühl“, hat die Dieburgerin festgestellt. Teils sei ihr Verhältnis zum Wasser ein traumatisches: „Es sind manche dabei, die Menschen auf ihrer Flucht im Meer haben ertrinken sehen.“ Einige der Kursteilnehmer sind erst 13 Jahre alt. „Ich hatte zum Beispiel ein Mädchen in der Gruppe, das das Wasser mit dem Sterben in Verbindung brachte.“ Das merkte Pantke, als es im Becken des Trainingsbads unter dem Hallendach völlig panisch wurde.

Viele trauen sich kaum im Wasser zu stehen

Zu Beginn des Schwimmkurses hätten einige noch Probleme damit gehabt, überhaupt im Nichtschwimmerbereich des Beckens stehen zu bleiben. Inzwischen können sich alle, die das wöchentliche Angebot regelmäßig besuchen, gut über Wasser halten. „Ich gucke, dass sie halbwegs geradeaus schwimmen können“, sagt Pantke. „Manche haben ganz neu das Seepferdchen gemacht, einer hat jetzt sogar das Schwimmabzeichen in Bronze.“ Mittlerweile macht der ein oder andere gar Salti vom Drei-Meter-Turm des Trainingsbads. Den Anspruch, Spitzenschwimmer auszubilden und sie an die Wettkampfteams des WSV heranzuführen, gebe es hingegen nicht.

Wichtiger sei dem Dieburger Verein das soziale Engagement und der Beitrag zur Willkommenskultur, so Pantke. Das geschieht insbesondere durch die kostenlose Bereitstellung des Bads, das der WSV selbst betreibt. Pantke: „Sie sind alle sehr lernwillig und können das Erfahrene gemeinsam in der Gruppe verarbeiten.“

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