Mit Piktogrammen für bessere Orientierung

Flüchtlinge und Analphabeten sollen in Dieburg den Weg finden

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So könnte eine Stele mit den Piktogrammen bald an drei Orten in Dieburg stehen: Helmut Schelter und Eva Rosenau mit einer Skizze.

Dieburg - Der Verein „Barrierefreies Dieburg“ will Analphabeten und Flüchtlingen bei der Orientierung helfen und will Piktogramm-Stelen auf zentralen Plätzen in der Stadt aufstellen lassen. Von Jens Dörr  

Wohin des Weges? Wer lesen oder auf Deutsch klare Fragen stellen kann, ist auf der Suche klar im Vorteil. Analphabeten und Ausländern ohne Sprachkenntnisse – in diesen Zeiten insbesondere die vielen Flüchtlinge auch in dieser Region – helfen normale Schilder jedoch nicht weiter. Das hat auch der Verein „Barrierefreies Dieburg“ erkannt. Er plant in den nächsten Wochen die Errichtung von Stelen mit Piktogrammen, die es in Dieburg jedem ermöglichen sollen, wichtige Ziele rasch zu finden. Sein Scherflein zur Umsetzung hat bereits auch Fußball-Bundesligist SV Darmstadt 98 beigetragen. Bei Piktogrammen handelt es sich um einfache bildliche Darstellungen etwa von Gebäuden oder Sehenswürdigkeiten. Sie erleichtern Menschen, die nicht lesen können und denen übliche Textwegweiser entsprechend nicht weiterhelfen, die Orientierung. „In Dieburg gibt es sehr viele lernbehinderte Menschen, weil es hier sehr viele Angebote für sie gibt“, sagt Eva Rosenau, selbst Rollstuhlfahrerin und Vorsitzende von „Barrierefreies Dieburg“.

Geplant sind für den Anfang drei Stelen

In der Kernstadt und im Industriegebiet-Nord gibt es zahlreiche schulische Angebote, Freizeitmöglichkeiten und Werkstattplätze für Menschen mit Behinderungen. Auch Ausländer, unter anderem die derzeit deutlich mehr als 120 Flüchtlinge Dieburgs, fänden wichtige Ziele der Stadt durch Piktogramme besser. Die Idee dazu hatte Vorstandsmitglied Miriam Eicke, die als Heilpädagogin arbeitet. Geplant sind zunächst drei Stelen aus Aluminium, die bis zu drei Meter hoch werden sollen und mehrere quadratische Piktogramme von 25 auf 25 Zentimetern aufweisen sollen. Unter anderem Rathaus, Museum, Bücherei und Fußgänger-Zone sollen darauf dargestellt werden. Rosenau zu den Orten: „Die Stelen sollen dort aufgestellt werden, wo die Leute in Dieburg ankommen: Am Bahnhof, auf dem Leer-Parkplatz und auf dem Marktplatz.“ Umgesetzt wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Dieburger Unternehmen Atelier für Schrift und Form um Inhaber Helmut Schelter. Der Verein hat zudem Kontakt mit der Stadt aufgenommen, deren Bauhof beim Aufstellen der Stelen, voraussichtlich im Frühjahr, helfen könnte.

Los-Verkauf spülte viel Geld in die Vereinskasse

Viel Geld für andere Zwecke, insbesondere den weiteren Ausbau von Funkklingeln und Rampen an Geschäften der Innenstadt, hat der Verein „Barrierefreies Dieburg“ erst kurz vor Weihnachten erhalten: Hier durfte er im Rahmen einer regelmäßigen Aktion des SV-Darmstadt-98-Premiumsponsors PEAK im Merck-Stadion am Böllenfalltor beim „Lilien“-Spiel gegen Hertha BSC Lose an die Fans verkaufen. Diverse Preise werden dabei gesponsert, den Erlös in Höhe von 5000 Euro darf „Barrierefreies Dieburg“ für Klingeln und Rampen verwenden. Derzeit klappert insbesondere Rosenau die Geschäfte der Innenstadt ab und bietet die vollständig vom Verein bezahlte Beschaffung von Klingeln und Rampen an. Sie gehe dennoch davon aus, dass ein Teil des Geldes übrig bleibe und für die Piktogrammstelen verwendet werden könne. Auch aus weiteren Vereinsmitteln sollen die pro Stück rund 1000 Euro teuren Wegweiser finanziert werden.

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