Rechtspopulisten sehen sich doch als Opfer

Flörsheim ist AfD-Hochburg: Partei erreicht 17,1 Prozent

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Mitglieder der AfD Main-Taunus sind gerne rechtspopulistisch. Von links nach rechts: Dirk Gaw, Peter Biedermann, Hendrik Lehr, Gernot Laude, Johannes Dietrich, Torsten Habel, Patrick Bauer, Karl Heinz Hellenkamp, Wilfried Klinger und Jonas Pradt.

Region Rhein-Main –  Es war zu erwarten und schockiert die Bürger doch: Das hessische Kommunalwahlergebnis. Die AfD wurde im Landesdurchschnitt nach CDU und SPD mit 11,9 Prozent drittstärkste Partei. Flörsheim bildet die AfD-Hochburg der Region: Die Partei erreichte dort 17,1 Prozent Stimmen. Von Janine Drusche

Immer mehr Menschen halten sich an rechtskonservative Parteien. Das ist das Ergebnis der Kommunal-Wahlen in Hessen vom 6. März. Besonders Flörsheim im Taunus stellt sich als die AfD-Hochburg der Region heraus.

17,1 Prozent der Bürger gaben ihre Stimme der „Alternative für Deutschland“. Bei den ersten Auszählungen schien die Stimmenanzahl für die AfD noch höher als das Ergebnis schließlich ausgefallen ist. Ganz Hessen war im Schockzustand, auch, wenn schnell klar war, dass die Zahlen noch sinken würden. Letztlich liegt die Partei bei der hessischen Kommunalwahl aber als drittstärkste Kraft mit 11,9 Prozent hinter CDU mit 28,9 Prozent und SPD mit 28,5 Prozent. Im Main-Taunus-Kreis schafften die Rechtspopulisten mit 12,7 Prozent sogar ein überdurchschnittliches Ergebnis. „Wir waren selbst überrascht“, sagt Helmut Bernemann von der AfD-Main-Taunus: „Wir hatten eher mit acht bis zehn Prozent gerechnet.“ Als Grund für den guten Einstieg seiner Partei in die Wahl-Gefilde sieht der Politiker die „bundesweite Unzufriedenheit der Bürger mit der Merkel’schen Politik.“

Welche Rolle spielen Protestwähler?

Auch in Flörsheim herrsche allgemeine Unzufriedenheit mit der Politik vor Ort, behauptet er. Er räumt auch ein, dass die AfD von puren Protestwählern profitiert habe. Angesichts der vielen kritischen Stimmen seitens der anderen Parteien stellt sich Bernemann als stigmatisiertes Opfer dar. Er sagt: „Wir sind eine bürgerliche Partei – für die Belange und gegen die Nöte des Volks.“ Er fragt: „Was soll daran falsch sein, das Sprachrohr der breiten Bevölkerung zu sein?“Die AfD fülle die Lücke, die sich CDU und SPD selbst erschaffen hätten.

Auch scheut er sich nicht, seine Partei als rechtspopulistisch zu bezeichnen. Die direkte Übersetzung des Wortes sage genau das aus, was sie seien: „Eine bürgernahe Partei.“ Jedoch werde der Begriff nicht mehr angewendet wie früher. „Heute heißt rechts ja gleich Neonazi oder Rassist, aber wir von der AfD haben mit den Braunen nichts zu tun“, sagt Bernemann. „Es ist eine Beleidigung als rechte Partei abgestempelt zu werden.“

Familienzentrum sei überflüssig

In Flörsheim wollen die AfD-Politiker nach dem Wahlkampf mit bundespolitischen Themen direkt in die Lokalpolitik einsteigen und die Sanierung des Haushalts durch die Reduzierung der Ausgaben ermöglichen.

Ein geplantes Familienzentrum beispielsweise hält Bernemann für überflüssig. „Das bringt keine Verbesserung der Infrastruktur. Wir haben Sozialämter und das Rathaus – da wäre das Familienzentrum nur ein unnötiger Kostenklotz“, sagt der AfD-Mann.

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