In der Region lauern überall gespickte Köder

Nägel und Rattengift: Tierquäler vergiften unsere Hunde!

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Region Rhein-Main – Hunde anleinen und nicht zu weit von sich weg laufen lassen, ist wohl der einzige Weg, den tödlichen Ködern auszuweichen. Denn diese tauchen wieder vermehrt in der Region auf. Von Janine Drusche

Drei Jahre alt ist der Hund Coco als er Mitglied der Familie von Franzi S. aus Bad Soden wird. Ihre Tochter ist ebenfalls drei – kein Zufall, dass die beiden bald eine tiefe Freundschaft verbindet. Als die Kleine Diabetes bekommt, weicht ihr Coco beim Insulin-Spritzen nicht von der Seite. Bis jetzt: Das elfjährige Mädchen muss nun allein Spritzen.

Coco ist gestorben – weil er vergiftet wurde. Der Mischling hat beim Spaziergang scheinbar einen Giftköder gefressen und es nicht überlebt. Die Tierquäler, die solche Köder auslegen, schrecken auch nicht vor Rasierklingen im Fleisch zurück. Hunde und Katzen sterben qualvoll an den Folgen. Bei Coco arbeitet das Gift drei Tage im Körper, dann bricht es aus. Er verweigert das Fressen, muss brechen. „Er wurde apathisch, so dass wir ihn in die Tierklinik gebracht haben“, sagt Franzi S. Coco bekommt Infusionen – es geht bergauf. Doch dann versagen die Organe. „Sein Fell fiel büschelweise aus, er war dehydriert. Also haben wir beschlossen, ihn zu erlösen“, sagt die Hundehalterin. „Coco war ganz besonders. Wir vermissen ihn.“

„Das sind böse Menschen“

Rosemarie Hippel, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelkheim ärgert sich maßlos über die Täter: „Das sind für mich böse Menschen. Die sind krank im Kopf und sollten eine unheilbare Krankheit bekommen.“ Sie warnt Tierhalter im Ernstfall vor falschem Umgang mit den Ködern: „Es ist nicht unbedingt gut, ein Tier zum Würgen zu bringen. Es könnten anstelle von Gift auch Rasierklingen oder Nägel im Köder sein, die dem Hund beim Würgen erneut Schaden zufügen.“

Wie die Polizei des Main-Taunus-Kreises meldet, sind in Kelkheim wieder Hundeköder gefunden worden: Fleischwurst, gespickt mit Nägeln. Warum Personen den besten Freund des Menschen gezielt töten möchten, fragen sich Tierhalter auch in Offenbach und Frankfurt. Im Offenbacher Park Landgrafenring und in einem privaten Hof sind ebenfalls Köder ausgelegt worden. Einem Labrador musste der Magen ausgepumpt werden. Ein Hund im Stadtteil Bürgel starb an Gift.

Außer einer Anzeige kann man nicht viel machen

Coco und sein Frauchen – bevor er vergiftet wurde.

Auch in Frankfurt-Hausen fanden Passanten im Niddapark Köder. Andrea Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen, berichtet von einer Anzeige Anfang Januar: „Ein neunjähriger Dalmatiner ist in Dietzenbach an Giftködern gestorben.“
Er wurde im Garten der Familie vergiftet. „Fünf bis zehn Anzeigen mit Verdacht auf Gift gehen bei uns pro Jahr ein“, sagt Ackermann. Die Tierquäler müssen laut der Sprecherin mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Wenn sie überhaupt erwischt werden.
Sylvia Welte, Betreiberin einer Internetseite für vermisste Hunde klärt auf: „Je nach Gift, reicht eine geringe Menge, die beim Schnüffeln im Fell hängen bleibt und abgeleckt wird, um dem Tier zu schaden. Während die Offenbacherin spricht, kommt eine Mail bei ihr an: Zwei Hunde wurden in Rosbach vergiftet. Laut Welte gingen Betroffene nur selten zur Polizei: „Außer einer Anzeige gegen Unbekannt, können sie nicht viel machen.“

Gifte verbreiten sich schnell im Körper

Hat ein Hund einen präparierten Köder erst einmal verschlungen, sind die Auswirkungen eines Giftes unterschiedlich. Von Zittern und Speichelfluss über Schockzustände und Brechreiz.

Um dem entgegen zu wirken, gibt der Tierschutzverein Tasso regelmäßig Warnungen heraus. „Wenn ein Hund einen Köder gefressen hat, muss man schnell handeln, da sich Gifte rasch ausdehnen“, sagt Tasso-Sprecherin Marie-Christin Gronau: „Wenn ein Hund mehr hechelt, sich Pupillen verändern, Durchfall oder Blutungen auftreten, können das Zeichen für eine Vergiftung sein. Dann sollte ein Tier schleunigst zum Tierarzt gebracht werden.“

Janine Drusche

Janine Drusche

E-Mail:janine.drusche@extratipp.com

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