Feuer zerstört komplettes Wahrzeichen

Goetheturm abgebrannt: Das plant die Stadt Frankfurt

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Der mehr als 80 Jahre alte Goetheturm, erst im Jahr 2014 umfangreich saniert, ist in der Nacht bis zum Boden abgebrannt.

Frankfurt - Er war eines der Wahrzeichen Frankfurts und ist nun vorerst Geschichte: In der Nacht zu Donnerstag brennt der Goetheturm komplett ab. Die Polizei ermittelt jetzt, ob das beliebte Ausflugsziel einem Feuerteufel zum Opfer fiel. Parallel plant die Stadt schon den Wiederaufbau.

Um 5.08 Uhr am Donnerstagmorgen ist Frankfurt ein Stück Herz herausgerissen worden. Zu diesem Zeitpunkt ist der Goetheturm zusammen gebrochen. Zuvor haben ihn unbekannte Täter wohl vorsätzlich angezündet. Die Feuerwehr wurde bereits um 3.17 Uhr alarmiert. Sieben Minuten später waren knapp 60 Einsatzkräfte vor Ort. Doch der 43 Meter hohe und 85 Jahre alte Goetheturm brannte bereits wie eine Fackel. Die Brandschützer entschieden sich, ihn kontrolliert abbrennen zu lassen. „Der Turm ist eingestürzt und war nicht mehr zu retten“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. 

Wegen der Gefahr herabstürzender brennender Holzbalken löschte die Feuerwehr den Brand zunächst nicht, sondern sicherte und kühlte die Umgebung. „Die Überreste stehen noch. Wir warten bis alles niedergebrannt ist“, sagte Feuerwehrsprecher Thorsten Brückner am frühen Vormittag. „Der Sachschaden lässt sich nicht beziffern. Der ideelle Schaden ist aber riesengroß.“  

„Es deutet alles auf Brandstiftung hin“, sagte Polizeisprecherin Isabell Neumann. „In dem Turm ist keinerlei Elektronik verbaut, und es ist auch kein Gewitter in der Nacht über uns hinweggezogen.“ Sicher sei dies aber noch keineswegs. Die Ermittlungen könnten erst beginnen, nachdem alle Glutnester gelöscht und der Brandherd abgekühlt war.

Fotos: Frankfurter Goetheturm abgebrannt

Geht ein Brandstifter in Frankfurt um?

Viele Frankfurter fühlten sich bei dieser Meldung stark an weitere Feuer erinnert. Einer der beiden berühmten Pavillons im Koreanischen Garten in Frankfurt ist in der Nacht zum 1. Mai in Flammen aufgegangen. Anfang Juni brannte auch der Chinesische Pavillon im Bethmannpark ab. In beiden Fällen geht die Polizei von Brandstiftung aus.  

Konkrete Hinweise auf eine Brandserie gebe es aber nicht, sagte Neumann. „Es ist alles möglich.“ Anfang Juli gab es ein Feuer im Atzelberg-Turm bei Kelkheim im Taunus. Außer vorsätzlicher sei auch fahrlässige Brandstiftung möglich, hieß es bei der Polizei.

Fotos: Kelkheimer Atzelbergturm stand in Flammen

Das sind die Pläne der Stadt zum Wiederaufbau des Goetheturms

Am Vormittag war das Entsetzen immer noch groß. Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte, er sei sehr wütend und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig sprach von „einem Alptraum“. Ordnungsdezernent Markus Frank versprach, dass es nicht darum gehe, den Turm wieder aufzubauen, sondern nur um das „Wie“. Und da wurde schnell klar, dass die Frankfurter ihren Goetheturm nach einem Wiederaufbau vielleicht nicht mehr wiedererkennen könnten. Baudezernent Jan Schneider: „Wir müssen prüfen, ob ein originalgetreuer Neuaufbau dem Baurecht von 2017 entspricht.“

Denn klar ist: Die 43 Meter hohe Holzkonstruktion mit ihren 196 Stufen aus dem Jahr 1931 war nicht behindertengerecht und würde aus Sicherheitsaspekten heute anders gebaut. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte dem EXTRA TIPP: „Er sollte möglichst originalgetreu aufgebaut werden. Alles andere wäre den Frankfurter auch nicht zu vermitteln.“ 

Oberbürgermeister Peter Feldmann (zweiter von rechts) besuchte die Brandruine am Vormittag mit weiteren Vertretern der Stadt. 

Fakt ist: Ein originalgetreuer Aufbau wäre möglich. Denn erst vor ein paar Jahren wurde der Turm für 500.000 Euro aufwändig saniert. Dabei wurde der Holzturm exakt dokumentiert. Aber allein aus brandschutztechnischen Gründen müssten wohl einige Modifizierungen vorgenommen werden. Markus Frank: „Das Holz des Turms war mit Teeröl durchtränkt. Wenn dieses Öl eine gewisse Temperatur erreicht hat, brennt es wie eine Fackel.“

Baudezernent Jan Schneider hat sich am Vormittag bereits mit Fachleuten aus dem Bauamt vor Ort getroffen. Schneider: „Wir werden das alles jetzt ganz genau prüfen.“ Mehrere Institutionen in der Stadt wie etwa der Rhein-Main-Verkehrsverbund und zwei Sparkassen hätten sich bereits bei Oberbürgermeister Feldmann gemeldet und ihre Unterstützung angeboten. Zwei Spendenkonten seien schon am Donnerstag eingerichtet worden. Auch Bürger gründeten spontan eine Initiative, um Geld dafür zu sammeln.

Das Areal um den abgebrannten Goetheturm werde wegen der Ermittlungen noch zwei, drei Tage gesperrt bleiben, hieß es im Umweltdezernat. Danach könnten der Spielplatz und das Café wieder genutzt werden. Am Donnerstag wurden noch Glutnester gelöscht. "Zum Glück ist nicht Hochsommer", sagte Feuerwehrsprecher Brückner. Durch Funkenflug auf trockenen Waldboden hätte das Feuer sonst einen noch erheblicheren Schaden anrichten können.

Der Holzbau im Stadtteil Sachsenhausen zählte nach Angaben der Stadt Frankfurt zu den höchsten hölzernen Aussichtstürmen Deutschlands. Errichtet wurde er 1931 mit Blick auf den 100. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe und das Goethe-Jahr 1932. Im März 2014 war der dunkle Turm mit den 196 Stufen nach einer umfassenden Sanierung feierlich wieder eröffnet worden. (dpa/agk)

So sah der Goetheturm vor dem Feuer aus. 

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