Aus dem Feuer geboren

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Das Plakat zur Ausstellung von Fotograf Walter Schels.

Frankfurt - Am 17. November ist Internationaler Tag des Frühgeborenen, dann denkt auch Gerhild Peters an die 830 Gramm Leben, die vor 14 Jahren vorzeitig ins Leben starteten. Von Mareike Palmy

Ärmchen so dünn wie die Finger eines Erwachsenen. Elektroden überwachen den winzigen Körper. Drähte und Schläuche sichern das Überleben. Deutschlandweit werden jährlich etwa 60.000 Kinder zu früh geboren. Dauert eine übliche Schwangerschaft 40 Wochen, verläuft die bei frühgeborenen Kindern dagegen in weniger als 260 Tage. Auf den Intensivstationen kämpfen die Winzlinge dann ums Überleben.

Auch die Korrektorin Gerhild Peters hat diesen Kampf erlebt. Ihr Sohn Valentin kam dreieinhalb Monate zu früh auf die Welt. „Das war eine unwirkliche Situation. Der Kleinste kam ganz unverhofft. Ich fühlte mich komisch, dachte erst ich hätte eine Grippe“, erinnert sich die 50-Jährige.

Mit Blaulicht brachte man sie in die Klinik. Den Ärzten rief sie noch zu: „Bringt uns hier ja lebend raus“ und dann ging alles ganz schnell. „Damit rechnet keine Mutter. Schon gar nicht in der 25. Schwangerschaftswoche. Ich erwartete noch eine lange glückliche schwangere Zeit“, sagt Gerhild Peters.

Die ersten vier Monate verbrachte das kleine Menschlein an Drähten und Schläuchen im Brutkasten. Es war zu klein fürs Leben. „Valentin ist aus dem Feuer geboren, er war knallrot bei der Geburt. Tagelang muss er in in entzündetem Fruchtwasser gelegen haben, sagten mir die Ärzte danach.“

Sie verarbeitet ihre Erfahrungen in einem Buch

Valentin Peters

Dank moderner Medizin, schaffte der heute 14-jährige Valentin den Sprung vom Brutkasten ins Leben. Die schwierige Zeit, der Schock der Frühgeburt, dieSorge ums Überleben des intensiv behandelten Baby-Patienten sitzt aber tief. Gerhild Peters hat die Erlebnisse aufgeschrieben, um besser damit fertig zu werden: „Ich stand damals alleine da, es gab keine Verbände, Selbsthilfegruppen oder Literatur, die mir halfen. Zum Glück hatte ich Freunde.“In „Blumen für meinen Frühling - Briefe an ein viel zu früh geborenes Kind“ berichtet sie von den bewegenden Momenten mit ihrem „Frühchen“.

„Für mich ist er mein Frühling. Ich hatte nie Schwangerschaftsgelüste wie alle anderen Frauen, nur Blumen waren etwas ganz besonderes für mich in dieser Zeit. Die Farben leuchteten einfach schöner und ihr Duft war intensiver als sonst“, sagt Peters.

Im Rahmen des Weltfrühchentags, liest Gerhild Peters am Freitag, 18. November, ab 15 Uhr in der Frankfurter Voges Gallery, Neue Mainzer Straße 1, aus ihrem noch unveröffentlichten Manuskript. Zudem veranstaltet der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ weitere Events vom 17. bis 19. November. Unter dem Titel „ÜberLeben“ zeigt der Verband eine Fotodokumentation des Hamburger Fotografen Walter Schels über das Leben von zu früh geborenen Kindern. Die Ausstellungseröffnung findet am Weltfrühgeborenentag, Donnerstag, 17. November um 18 Uhr statt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenlos.

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