Familie Göbel

Feine Geister: Reinheimer brennen für ihren Beruf

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Thomas Göbel pumpt mit Frau Verena die verkochte Maische aus der Brennblase. Tochter Nele hilft schon mit.

Reinheim – Vergorener Früchtebrei ist ihr täglich Brot: Die Familie Göbel in Reinheim betreibt eine der noch wenigen Lohnbrennereien. Jeden Tag schicken sie an die 700 Liter Fruchtmaische durch die Destille. Heraus kommen feine Geister. Von Christian Reinartz

Der Vorlauf ist noch giftig. Erst später rinnt der edle Brand aus dem Rohr.

Es riecht nach vergorenen Früchten, irgendwie alkoholisch. Als Thomas Göbel die kupferne Brennblase öffnet, entweichen schlagartig riesige Dampfwolken. Sie verbreiten sich im Raum. Hüllen alles ein. Dann wird abgepumpt. „Die alte Maische muss raus“, sagt Thomas Göbel. Der 40-Jährige ist einer der wenigen Lohnbrenner, die im Kundenauftrag Hochprozentiges herstellen – seit 1988. Mittlerweile ist Frau Verena mit an Bord. Sie hat sich in die Materie eingearbeitet und kennt die Abläufe genauso so gut wie ihr Mann. „Mittlerweile ist das in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt die 28-Jährige, die ein feines Näschen hat. Damit prüft sie vor jedem Brennvorgang jedes Maischefass, das die Kunden anliefern. Maische ist zerkleinertes Obst, das wochen-, oft monatelang, in Gärfässern lagert und so auf natürliche weise Alkohol produziert. „Allerdings muss die Maische auch richtig gut sein, damit ein edler Tropfen rauskommt“, erklärt Verena Göbel. „Riecht das Gemisch nach Essig, kann man das im Grunde wegschmeißen.“ Auch beim Brennvorgang selbst ist ihre feine Nase gefragt. Denn der sogenannte Vorlauf, der giftige Alkohole enthält, muss korrekt vom edlen Brand getrennt werden. Ein Prüfgerät dafür gibt es nicht. „Da müssen wir uns schon auf unsere Nase und die übliche Sensorik verlassen.“

Freilich bleibt von den 700 Litern pro Tag nur ein Bruchteil Schnaps übrig. Etwa 70 Liter produzieren die Göbels mit ihrer Brennblase auf diese Weise Tag für Tag. Und die Kundenaufträge nehmen kein Ende. Mittlerweile kommen die Kunden aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet mit ihren Fässern nach Reinheim gefahren. Denn der Gebrannte aus den eigenen Früchten aus dem Garten lohnt sich nicht nur geschmacklich. Er ist auch besonders günstig. Etwa sechs bis sieben Euro pro Liter kostet das Brennen inklusive der Alkoholsteuer. Thomas Göbel: „Dafür bekommt man aber auch einen Obstbrand von einer Qualität, die im Laden locker 30 Euro kostet.“

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