Frankfurter Damwild verträgt keine mitgebrachten Futtermittel

Falsch verstandene Tierliebe: Hirsche verenden qualvoll

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Auch in den Wildparks der Region zeigt sich das Damwild zutraulich, wenn es mit speziellen Futtermischungen angelockt wird. In freier Wildbahn hingegen ist die Fütterung verboten. 

Frankfurt –  Weil Spaziergänger immer wieder Salat, Obst und Brot im Oberräder Wald auslegen, sind mindestens fünf Damhirsche gestorben. Verbotsschilder werden einfach ignoriert. Von Franziska Jäger

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Für die Waldbesucher ist es ein Erlebnis, wenn sich die Hirsche ohne Scheu nähern. Um das im Oberräder Wald ausgewilderte Damwild anzulocken, bringen sie Küchenabfälle mit – Obst und Gemüse, Brot, manchmal ganze Baguettes. Seit dem vergangenen Jahr finden Mitarbeiter des Stadtforsts nahe des Kesselbruchweihers immer wieder illegale Futterstellen. Und die sind dem Damwild nun zum Verhängnis geworden.

„Einzelne Hirsche sind durch die Fütterung zutraulich geworden und gehen mittlerweile auch unaufgefordert auf die Besucher zu“, sagte Johannes Hölzel vom Stadtforst. Das kann gefährlich werden: Ein angriffslustiger männlicher Hirsch sei bereits auf einen Spaziergänger losgegangen, der sich der Futterstelle näherte. Dass die Futterplätze so gut angenommen werden, hat für das Wild noch dramatischere Folgen: Backwaren und Gemüse gären in den Mägen der Wiederkäuer und führen zu Übersäuerungen und Schädigungen des Magen-Darm-Traktes. Das hat Krankheiten und schlimmstenfalls den Tod zur Folge.

Füttern ist sogar gesetzlich verboten

Fünf verendete Hirsche haben die Forstmitarbeiter bislang nahe der Futterstelle gefunden. Die Tiere hätten zuvor sehr dünnen Kot abgesetzt, berichtete Michael Christ, Leiter des Jagdbetriebs. Eine Obduktion sei daher nicht notwendig, um die Todesursache festzustellen. Und die sei für das Damwild laut Christ „durchaus qualvoll“ gewesen.

Das Füttern von Wildtieren ist nach Paragraf 30 des Hessischen Jagdgesetzes verboten. Darauf weist der Stadtforst im Oberräder Wald auch durch Schilder hin. „Die werden aber von den Leuten missachtet“, sagt Christ. Er und seine Mitarbeiter kontrollieren den Platz nun täglich und räumen ihn gegebenenfalls. Allerdings vermutet er, dass die Waldbesucher das Futter vor allem abends ablegten. „Das können wir dann nicht mehr kontrollieren.“

Nötig hat das Damwild die Zufütterung auf keinen Fall. Es ernährt sich von Gräsern, Rinde und Knospen. „Die Futterlage im Wald ist ausreichend“, sagte Christ. Diese Botschaft muss nun auch die vermeintlich tierlieben Bürger erreichen.

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