Nach Prügelattacke gestorben

Fall Tugce: Kommt der mutmaßliche Täter frei?

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Tausende nahmen am Mittwoch Abschied von Tugce. Sie wurde in ihrem Heimatort Bad Soden-Salmünster beigesetzt.

Offenbach – Im Fall Tugce Albayrak  schaut die Öffentlichkeit jetzt auf die Ermittlungsbehörden. Ergebnisse werden erst im nächsten Jahr erwartet. Währenddessen will man in Offenbach eine Brücke nach der Studentin benennen. Von Dirk Beutel

Sie war mutig. Sie sah nicht weg. Sie mischte sich ein, als zwei Mädchen belästigt wurden und kam dabei zu Tode. Nachdem Tugce Albayrak am Mittwoch in ihrem Heimatort beigesetzt wurde, blickt die Öffentlichkeit nun auf die Ergebnisse der Ermittlungsbehörden.

Bilder vom bewegenden Abschied

Bilder: Bewegender Abschied von Tugce A.

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Video aus Tatnacht veröffentlicht

Der 18-jährige Sanel M. gilt als mutmaßlicher Täter. „Der Haftbefehl lautete noch auf schwere Körperverletzung. Seit dem Tod der Studentin wurden die Ermittlungen auf Körperverletzung mit Todesfolge umgestellt“, sagt Dr. Axel Kreutz, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher im Fall Tugce dem EXTRA TIPP. Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch und sollen erst in den ersten Monaten im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Bei Straftaten mit Jugendlichen will der Staatsanwalt nach Möglichkeit innerhalb von sechs Monaten Anklage erheben und den Prozess beginnen. Ein knapp zweiminütiges Überwachungsvideo, das zu den Ermittlungsakten gehört und in der Öffentlichkeit aufgetaucht ist, zeigt, wie die Lehramtsstudentin zu Boden geht. Dies sei sehr unglücklich und erschwere die Aufklärung, da potenzielle Zeugen sich die Aufzeichnung vor ihrer Aussage anschauen könnten. Das würde die Beweiskraft vor Gericht mindern, so der Staatsanwalt.

Auch der Frage, wie das Video überhaupt nach außen gelangen wurde, geht die Staatsanwaltschaft nach. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Obduktionsergebnis ist nicht eindeutig

Ebenfalls offen bleibt weiter die Frage, wodurch Tugce nun letztlich gestorben ist. Das vorläufige Ergebnis der Obduktion ist nicht eindeutig: Sie starb durch stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Als Ursache komme ein Schlag oder ein Sturz in Frage. „Das endgültige Obduktionsergebnis steht noch aus und wird in den nächsten Wochen erwartet“, sagt Kreutz. Dass Sanel M. bis zum Prozessbeginn noch einmal auf freien Fuß gesetzt wird, ist möglich aber unwahrscheinlich, sagt Kreutz, da die Behörden von Anfang an von seiner Beteiligung an der Tat ausgegangen sind. Außerdem dürfte die hohe Strafandrohung ein Motiv für eine Flucht sein. Er werde noch geprüft, ob Sanel M. feste soziale Bindungen, einen festen Aufenthaltsort und einen Arbeitsplatz besitzt. Ebenso unklar ist noch, ob nach Jugend- oder Erwachsenstrafrecht verhandelt wird. Kreutz: „Beides ist möglich, dazu muss sich das Gericht zusätzlich ein Bild des Angeklagten machen.“

Offenbach will Brücke nach Tugce benennen

Über die Aussage der beiden minderjährigen Mädchen hüllt sich Kreutz aus ermittlungstaktischen Gründen und um die Jugendlichen zu schützen, in Stillschweigen. Was bekannt ist, warum die Mädchen sich erst so spät bei den Ermittlern gemeldet haben: Erst Bekannte hätten sie darauf aufmerksam gemacht, das nach ihnen gesucht werde. Sie selbst fühlten sich nicht angesprochen. In der Stadt Offenbach denkt man inzwischen darüber nach, das Erbe der 23-Jährigen hochzuhalten, indem man eine Brücke nach ihr benennt. Auf EXTRA TIPP-Nachfrage bestätigt Sprecher Matthias Müller, dass es einen Antrag der CDU gebe, eine der beiden neuen Brücken über das Offenbacher Hafenbecken nach Tugce zu benennen. Der Antrag werde diesen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung beraten

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