Das fahrende Klassenzimmer

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Das Lernmobil steuert dreimal in der Woche einen Festplatz an.

Region Rhein-Main – Etwa 12. 000 Kinder und Jugendliche müssen jede Woche die Schule wechseln, weil ihre Eltern als beruflich Reisende unterwegs sind. Mit den Lernmobilen des evangelischen Vereins für innere Mission, kommen jetzt Lehrer und Klassenzimmer zu den Schülern. Von Mareike Palmy

Ihre Eltern leben als Binnenschiffer auf Deutschlands Flüssen. Oder sie arbeiten als Artisten beim Zirkus. Andere fahren Woche für Woche auf einen anderen Festplatz. Dort lassen sie Karussels rotieren, bitten zum Nervenkitzel in die Achterbahn oder kochen an Imbissständen. Weil Kinder von Schaustellern meist zwischen Wohnwagen und Manege aufwachsen, kommt die Schule oft zu kurz – oder die Lehrer geben ihnen eine Sonderrolle.

„Die Berufe der Schausteller, Binnenschiffer oder Saisonarbeiter bringen lange Reisezeiten und viele Ortswechsel mit sich. Für manche Kinder bedeutet das, dass sie 30 bis 35 mal im Jahr die Schule wechseln müssen. Eine fortdauernde Schulbildung, die ihre Zukunft sichert, wird so halt kompliziert“, sagt Projektleiterin und Lehrerin Christiane Desbuleux.

Klassenzimmer im Kleinbus

Um diesen Kindern trotzdem einen Schulabschluss zu ermöglichen gibt es die Lernmobile des Evangelischen Vereins für Innere Mission (EVIM). Das landesweit einzigartige Projekt der fahrenden Schule kommt samt Lehrer und Klassenzimmer direkt zu den Schülern.

In Kleinbussen, die zu kompletten Klassenzimmern ausgebaut sind, begleitet die rollende Schule ihre Schützlinge durch ganz Hessen. Dabei werden die speziellen Lernbedingungen der Schüler wie die freie Zeit oder die Jahrgangsstufe besonders berücksichtigt.

„Ein Großteil unserer Schüler sind meist stark in den familiären Betrieb eingebunden, mit vielen Eltern müssen daher die Lern-Zeiten erst abgesprochen werden“, erklärt Lehrerin Christiane Desbuleux.

Zeugnisse und Schulabschlüsse

Insgesamt 90 Schüler besuchen derzeit die Schule für Kinder beruflich Reisender. Der Schulalltag gleicht dem an einer ganz normalen Schule, denn auch in den mobilen Klassenzimmern wird gesungen, geschrieben und gemalt. Deutsch und Mathematik stehen ebenso auf dem Stundenplan wie eine erste Fremdsprache. Und wie an jeder anderen Schule auch, gibt’s Zeugnisse und die Chance auf einen anerkannten Schulabschluss. Die acht Lernmobile des Vereins sehen auch von innen aus wie echte Klassenräume: Neben sieben Arbeitsplätzen, Regalen und Schränken, gibt es auch eine ausziehbare Tafel und eine Magnetboard.

„Unsere acht Lehrer fahren durch ganz Hessen. Dreimal in der Woche lenken wir den Platz, wo die reisende Schüler wohnen, an. Nur so können wir die vorgeschriebenen 20 Unterrichtsstunden garantieren“, erklärt Desbuleux.

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