Der fällige Blick ins Rohr

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Ralf Jonietz wertet die Kamerabilder aus.

Region Rhein-Main – Auf Haus- und Grundstücksbesitzer kommen ungeplante Kosten zu. Bis Ende 2015 müssen laut EU-Gesetz Grundleitungen und Anschlusskanäle innerhalb eines privaten Grundstückes überprüft und notfalls saniert werden. Wer die Dichtheitsprüfung seiner Kanäle nicht nachweist, macht sich strafbar! Von Andreas Einbock

Der EXTRA TIPP fragte die Experten einer Rohrreinigungsfirma und eines Prüftechnik-Unternehmens, was auf Hausbesitzer zukommt und worauf sie achten müssen.

Eine Messsonde mit Kamera sucht undichte Stellen.

„Das Dach wird alle dreißig Jahre neu gemacht, gestrichen wird alle zehn Jahre, nur bei den Rohren warten alle bis zum Schluss“, stellt Uwe Murmann fest. Der 39-Jährige ist Geschäftsführer der Hainburger Rohrstar-Firma und auf Dichtheitsprüfungen spezialisiert, die auf eine vom Europäischen Rat bereits am 21. Mai 1991 verabschiedete Abwasserrichtlinie zurückgeht. Als er im März 2009 seine Franchise-Firma eröffnete, ahnte er nicht, wie groß der Bedarf sein wird: „Inzwischen habe ich sieben Mitarbeiter und genauso viele Firmenautos. Damit sind wir für den Ansturm gerüstet.“

Überprüfung auch sinnvoll

Den erlebt auch Peter Zehm, Projektmanager von der Lübecker Rohrstar-Zentrale, der in fünf Jahren bundesweit 30 Franchise-Firmen eröffnet hat. „Viele vergessen bei dieser Vorschrift oder den Kosten, dass die Überprüfung etwas Sinnvolles für unsere Umwelt ist“, sagt Zehm. Auch Karl-Heinz Schug, Fachberater der Prüf- und Absperrtechnikfirma Städtler und Beck aus Speyer, kommen die ökologischen und gesundheitlichen Aspekte zu kurz: „Oft läuft nicht nur etwas aus den Leitungen raus, sondern auch hinein. Allein fünf Millionen Kubikmeter Wasser werden in Deutschland dadurch sinnlos gereinigt. Da entstehen unnötige Kosten.“

Die lassen sich mit einer fachgerechten Rohrprüfung vermeiden. Vier Punkte gehören dazu, wie Schug erklärt: „Zunächst wird das Rohr gereinigt, bevor eine Sichtprüfung mit der Kamera oder durch eine Begehung vorgenommen wird. Nur wenn diese nichtbestanden wird, folgt die nachweispflichtige Dichtheitsprüfung, bei der für jeden einzelnen Kanalabschnitt ein Prüfraum erstellt wird. Dann wird darin mit Wasser oder Luft ein Druck von 200 Millibar erzeugt. Wenn der nach mindestens fünf Minuten nicht gefallen ist, war die Prüfung erfolgreich. Wenn nicht, sollte eine Reparatur erfolgen.“

Für Schug und die Rohrstar-Experten Murmann und Zehm steht daher fest: „Verdrängen oder auf die lange Bank schieben nützt weder der Umwelt noch dem Geldbeutel.“

  •  Keine Geschäfte an der Haustür vereinbaren
  •  Immer auf Orts-/Kanalbesichtigung bestehen
  •  Auf Seriosität und Zertifizierung der Firma achten
  •  Bei Handwerkskammern oder IHKs über Firmen informieren
  •  Auf angemessenes Preis-/ Leistungsangebot achten
  •  Keinen Auftrag ohne Angebot erteilen
  •  Unbedingt auf Aushändigung des Prüfprotokolls bestehen

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