Ein heikles Versehen

Facebook sperrte Abgeordneten, weil er ein Hassprediger-Foto veröffentlichte

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Ismail Tipi macht immer wieder auf die Gefahren durch Hassprediger aufmerksam. Nach der Veröffentlichung des Fotos (unten) von Pierre Vogel mit IS-Symbolen auf seinem Kapuzenpulli sperrte ihn zunächst Facebook. Fotos: nh
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Heusenstamm – Aufregung um den Landtagsabgeordneten Ismail Tipi. Das soziale Netzwerk Facebook hatte seine Seite gesperrt, nachdem er dort ein Foto des Hasspredigers Pierre Vogel veröffentlicht hatte. Nach drei Tagen steuerte Facebook gegen. Der EXTRA TIPP sprach mit Tipi. Von Axel Grysczyk

Nach drei Tagen ist die Sperrung der Facebook-Seite des CDU-Landtagsabgeordneten und integrationspolitischen Sprecher der Hessen-CDU, Ismail Tipi, aufgehoben worden. Am vergangenen Wochenende wurde Tipi gesperrt, weil er ein Bild von Pierre Vogel gepostet hatte, welches ihn in Kapuzenpulli mit IS-Symbolen zeigte. Der Abgeordnete wollte damit auf das wahre Gesicht des Hasspredigers aufmerksam machen, der immer wieder von sich behauptet, ein Friedenstifter zu sein. Der EXTRA TIPP sprach mit Ismail Tipi über den Vorgang.

Was hat Facebook genau zu Ihnen gesagt?

Erstmal freue mich sehr, dass ich jetzt wieder meiner Aufklärungsarbeit auch über Facebook nachgehen kann. Es ist wichtig, die Menschen und besonders die Jugendlichen vor extremistischen Gefahren zu warnen. Wörtlich hat Facebook geschrieben: ,In dem Bemühen, die vielen Reports von Menschen auf Facebook, die wir jeden Tag erhalten, schnell und effizient zu bearbeiten, schaut sich unser Community Operations-Team Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten jede Woche an. Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hass-Rede und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden. Und wir wissen, dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in diesem Fall, solch ein Fehler passiert. Wir können uns an dieser Stelle nur entschuldigen´“.

Welche Rolle spielt Facebook für Hassprediger und Salafisten?

Facebook sowie alle anderen sozialen Medien bieten den Salafisten sowie allen anderen Extremisten eine wichtige Plattform, um ihre Propaganda zu verbreiten. Da die Extremisten besonders die jungen Menschen ansprechen wollen, bieten diese Seiten eine große Möglichkeit, um die Jugend zu erreichen. Gerade Hassprediger und Salafisten versuchen durch Facebook junge Männer und Frauen zu kontaktieren, sie am Ende zu radikalisieren und für den IS-Staat zu gewinnen.

Wie hat die Netzgemeinde auf das Aufheben der Facebook-Sperre reagiert?

Ich bin für die außerordentlich große Unterstützung und Solidarität meiner Netzgemeinde dankbar. Gleich nach dem Bekanntwerden der Sperre erhielt ich hunderte Solidaritätsbekundungen. Die Freude und weitere Solidaritätsbekundungen nach Aufheben der Sperre war genauso groß wie die Empörung. Ich erhielt viele Aufforderungen nicht aufzugeben, weiter gegen Extremismus und Salafismus zu kämpfen und mich nicht einschüchtern zu lassen.

Sie sind als erbitterter Kämpfer gegen Salafisten bekannt. Was werden Sie in Zukunft tun?

Ich werde auch in Zukunft die Gesellschaft, in der ich meine Heimat habe, weiterhin vor dem Salafismus warnen. Salafismus und Fundamentalismus sind für mich die größte Bedrohung und Gefahr für unseren inneren Frieden, Demokratie und Rechtsstaat. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich keinen Rückwärtsgang habe. Ich werde alle demokratischen Mittel nutzen, um auf die salafistische Gefahr hinzuweisen. Wie müssen alle gemeinsam verhindern, dass in Zukunft nicht noch mehr Mütter und Väter um ihre Kinder weinen. Deshalb werde ich nicht aufhören, ein allgemeines Betätigungsverbot zu fordern.

Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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