Wenn punkiger Rock ‘n’ Roll wieder gelebt wird:

Extrabreit und Straßenjungs treten in Offenbach auf

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Kultige Truppe: Extrabreit mit Frontmann Kai Havaii (Mitte mit weißem Hemd) treten am 30. Oktober in der Turnhalle des TV Bieber auf.
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Offenbach - Die Straßenjungs gelten als Punk-Pioniere in Deutschland. Jetzt – im Rentenalter – lassen sie es noch einmal krachen, zusammen mit den einstigen Stars von Extrabreit. Von Axel Grysczyk und Dirk Beutel

Kai Havaii ist einer der wenigen deutschen Rock ‘n’ Roller. Riesen-Erfolg mit der Band Extrabreit in den 80ern, Frauen, Partys, dann zu viel Drogen, Absturz, wohnungslos, komplett auf Heroin und schließlich wieder das Comeback. „Das Leben zu Zeiten von Extrabreit war anders. Ich hing vor meinem Bandeinstieg in der links-alternativen Szene rum. Damals haben wir nach dem Motto gelebt: Ein bisschen Rock ‘n’ Roll und dann kommt man schon durch“, erzählt er. Das sei heute anders. Heute sind Schüler bis spätnachmittags in der Schule. Alles ist geregelt, programmiert und behütet.

Texte waren direkt und gefiltert

Zu Beginn der 80er habe man da mehr Freiheiten gehabt. Extrabreit war und ist eine Rock ‘n’ Roll-Band „vom Punk inspiriert“, erklärt Havaii. Diese Sprengkraft gäbe es heute nicht mehr. Extrabreit-Mitbegründer Stefan Kleinkrieg beispielsweise habe auf einer Autofahrt „Holidays in the sun“ von den Sex Pistols gehört, sei ausgestiegen und habe sofort beschlossen, sich eine Gitarre zu kaufen und eine Punk-Band zu gründen. Solche Momente gäbe es bei heutigen Musikern eher selten. Auch die Extrabreit-Texte waren zu Beginn der 80er eine Provokation. Havaii erinnert sich, dass die Band schon mit der Plattenfirma diskutiert hat, ob der Refrain „Annemarie, du bist blond wie Bier. Annemarie, bitte f**** mit mir“ in Ordnung ist. „Aber wir haben es dann doch gemacht. Es war direkt und ungefiltert. Uns war wichtig, dass wir authentisch sind, und wir haben damals ja auch einfach so gesprochen“, erklärt er. Die Musiker von heute würden eben anders reden. Und wenn Extrabreit am Freitag, 30. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Offenbacher Turnhalle beim TV Bieber auftritt, treffen sie auf alte Bekannte. Havaii: „Mit den Straßenjungs haben wir 1980 zusammen bei einer Veranstaltung der Grünen in Hamburg gespielt. Der Auftritt gehörte zu den ersten außerhalb unserer Heimatstadt Hagen. Unser damaliger Drummer hat mit dem damaligen Straßenjungs-Bassisten eine Flasche Whiskey geleert. Später beim Auftritt ist er dann über dem Schlagzeug eingeschlafen.“

Straßenjungs ohne großen Hit

Direkt und ungefiltert ist nach wie vor auch das Motto der Straßenjungs aus Frankfurt. Die Kult-Punker um Sänger Nils Selzer scharren schon mit den Hufen. Das Konzert in Offenbach wird die Brüder im Geiste nach vielen Jahre endlich wieder vereinen. Denn der Kontakt mit Extrabreit sei irgendwann in den Achtzigern eingeschlafen. Im Gegensatz zu den Punkern aus Hagen hatten die Straßenjungs nie einen Charterfolg. Selzer: „Wenn man unabhängig arbeitet, sind einem eben viele Türen verschlossen.“ Doch das hat dem Kultfaktor der Frankfurter keinen Abbruch getan. Das gilt auch für die Brisanz der Themen, die sie mit ihrer Musik auf die Schippe nehmen: „Von der Atomkrise bis zum Bankencrash, das sind Sachen über die ich vor 30 Jahren getextet habe. Erschreckend wie aktuell das immer noch ist“, sagt Selzer.

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Dirk Beutel

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